DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) ist ein synthetisches Insektizid, das im 20. Jahrhundert weltweit in der Landwirtschaft sowie zur Bekämpfung von Krankheitsüberträgern wie Mücken eingesetzt wurde. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg galt es als sehr wirksam und wurde großflächig versprüht. Erst später erkannte man die erheblichen Umwelt- und Gesundheitsrisiken: DDT ist extrem langlebig (persistent), reichert sich in der Nahrungskette an und kann bei Tieren und Menschen schädliche Wirkungen haben, etwa auf das Nervensystem und den Hormonhaushalt. Bekannt wurde die Problematik unter anderem durch das Buch „Silent Spring“ von Rachel Carson, das in den 1960er-Jahren maßgeblich zur Umweltbewegung beitrug.
Eine neue Untersuchung aus Schweden hat nun nachgewiesen, dass DDT auch in den Böden des skandinavischen Landes vorhanden ist und sich nur schwer entfernen lässt. In ihrer Dissertation stellt Stephanie Casey von der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften fest, dass auch mehrere innovative Sanierungsmethoden nur begrenzte Verbesserungen liefern. Die Dissertation basiert auf der Idee, DDT-belastete Böden mithilfe abbauender Pilze zu sanieren. Dies stützt sich auf erfolgreiche Laborexperimente, wurde jedoch bisher nicht in größerem Maßstab im Freiland getestet.
„Wir haben festgestellt, dass die Laborergebnisse in der Praxis nicht bestätigt wurden, was stattdessen den Weg für neue und unerwartete Forschungsansätze ebnete“, erklärt die Doktorandin Stephanie Casey.
Standorte in Schweden, die einer DDT-Sanierung bedürfen
Als das DDT-Verbot in den 1970er-Jahren in Schweden in Kraft trat, wurde der Stoff in Baumschulen häufig zur Vorbeugung von Schädlingsbefall eingesetzt. Folglich weisen viele alte Baumschulstandorte eine hohe DDT-Konzentration im Boden auf.
„In vielen Baumschulen können in kleinen Bereichen Konzentrationen von rund 100 mg DDT pro Kilogramm (mg/kg) Trockenboden auftreten, bei einem Durchschnitt von etwa 10 mg/kg, während 1 mg/kg der allgemeine Richtwert der schwedischen Umweltbehörde für diese Art der Landnutzung ist. Es gibt große Schwankungen innerhalb und zwischen den Standorten, was zum Teil auf die Landnutzung, die Art der Pflanzenbehandlung und Unterschiede in den Bodeneigenschaften zurückzuführen ist“, sagt Casey.
Die Ergebnisse der neun in der Dissertation analysierten schwedischen Baumschulen zeigen, dass der Boden insbesondere an den Stellen stark kontaminiert ist, an denen die Pflanzen üblicherweise in DDT getaucht wurden. Diese sogenannten „Hotspots“ sind die Bereiche, die für Sanierungsmaßnahmen von größtem Interesse sind.
Spannende Experimente in der Studie
Die Dissertation zeigt, dass es vor allem zwei Gründe für den mangelnden Erfolg bei der Übertragung von Experimenten vom Labormaßstab auf Feldversuche gibt. Erstens binden sich DDT und seine persistenten Abbauprodukte stark an Bodenpartikel, da sie sehr hydrophob sind und daher für die Pilze nur schwer verfügbar sind. Zweitens besteht die Herausforderung darin, das Pilzwachstum im Freiland in großem Maßstab in einem kompetitiven Lebensraum und unter wechselnden Boden- und Wetterbedingungen zu ermöglichen. Oft wachsen die Pilze, die DDT abbauen können, bevorzugt auf Holz in Wäldern, während sich das DDT in Feldböden befindet.
„Deshalb haben wir eine kombinierte Technik ausprobiert, bei der wir Boden von den am stärksten kontaminierten Standorten entnommen und ihn unter kontrollierteren Bedingungen ‚gewaschen‘ haben“, erklärt Casey.
Sobald der Boden von DDT gereinigt wurde, kann er zurückgebracht oder an einem neuen Standort verwendet werden, ohne dass die Gefahr einer weiteren Kontamination besteht. Während des Waschvorgangs unter Verwendung von Tensiden gelangt das DDT in eine Lösung, der Pilze zugesetzt werden, wodurch ein Bioreaktor entsteht; die Pilze können das DDT dann in der flüssigen Phase abbauen.
Aus Fehlern der Vergangenheit lernen
Diese Dissertation zeigt, wie wichtig es ist, aus historischen Fehlern zu lernen. Noch immer müssen wir mit Verschmutzungen umgehen, die vor Jahrzehnten verursacht wurden, und die heutige Bewirtschaftung kontaminierter Standorte bleibt eine Herausforderung.
Die DDT-Belastungen in Deutschland
In Deutschland ist DDT ebenfalls seit den 1970er-Jahren verboten (in der damaligen Bundesrepublik 1972, in der DDR etwas später). Dennoch sind seine Altlasten bis heute ein Thema. Aufgrund seiner chemischen Stabilität wird DDT in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut. In Böden kann es über Jahrzehnte erhalten bleiben, vor allem in landwirtschaftlich genutzten Flächen, auf ehemaligen Lager- oder Produktionsstandorten sowie in Regionen, in denen es intensiv eingesetzt wurde. Besonders in Ostdeutschland wurden in der DDR teilweise große Mengen verwendet, weshalb dort vereinzelt noch erhöhte Belastungen festgestellt werden.
Allerdings bedeutet das nicht, dass flächendeckend alle Böden in Deutschland stark kontaminiert sind. Die Belastung ist meist lokal begrenzt und hängt stark von der früheren Nutzung eines Gebiets ab. In vielen Fällen sind die Konzentrationen heute deutlich zurückgegangen und liegen unterhalb kritischer Grenzwerte. Dennoch werden Böden und Lebensmittel regelmäßig überwacht, um mögliche Risiken zu minimieren.
Aktuelle Berichte, etwa aus dem deutschen Lebensmittel- und Umweltmonitoring, bestätigen diesen Grundbefund: DDT wird seit Jahrzehnten nicht mehr eingesetzt, ist aber als langlebiger Schadstoff weiterhin in Umweltkompartimenten nachweisbar. So zeigt ein Bericht des Bundesamts für Verbraucherschutz von 2026, dass chlororganische Insektizide wie DDT zwar verboten sind, „Altlasten […] aber weiterhin eine Rolle spielen“, insbesondere als Rückstände in Umwelt und Nahrungsketten. Das entspricht auch neueren toxikologischen und umweltchemischen Bewertungen, die DDT zu den persistenten organischen Schadstoffen zählen, deren Verhalten und Risiken langfristig untersucht werden.
Ein wichtiger Teil der neueren Forschung besteht aus Langzeit-Bodenbeobachtungsprogrammen. Beispielsweise wertet die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft in einer 2024 veröffentlichten Zusammenfassung Daten aus über 35 Jahren Bodenmonitoring aus. Solche Studien zeigen, wie sich Schadstoffgehalte – darunter auch organische Altlasten wie DDT und seine Abbauprodukte – über Jahrzehnte verändern, welche Standorte stärker belastet sind und wie stark Rückgänge tatsächlich ausfallen. Die Ergebnisse deuten insgesamt darauf hin, dass die Konzentrationen vieler Altstoffe langsam abnehmen, aber keineswegs vollständig verschwinden.
Darüber hinaus beschäftigen sich neuere fachliche Leitfäden und Forschungsarbeiten stärker mit der Frage, wie gefährlich die verbleibenden DDT-Rückstände heute noch sind. In einer aktuellen Arbeitshilfe der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (2023) wird etwa detailliert beschrieben, wie Schadstoffe im Boden mobilisiert werden, wie sie in Pflanzen oder den Menschen gelangen können und wie Expositionsrisiken im Einzelfall bewertet werden. Das zeigt, dass die Forschung heute weniger auf das bloße „Vorhandensein“ von DDT fokussiert ist, sondern stärker auf seine tatsächliche Verfügbarkeit und Wirkung.
Neuere Überblickswerke wie der „Bodenatlas 2024“ ordnen DDT zudem in einen größeren Kontext ein: Böden gelten generell als durch zahlreiche Chemikalien belastet, wobei langlebige Stoffe besonders problematisch sind, weil sie sich über lange Zeiträume anreichern und kaum abgebaut werden. Auch aktuelle Forschung zu Umweltchemikalien betont, dass solche persistenten Stoffe oft in komplexen „Mischungen“ auftreten, deren kombinierte Effekte noch nicht vollständig verstanden sind.
