Im Urlaub entspannen und das Klima schützen

Abkühlung - Foto: NABU/Christine Kuchem

Im Urlaub entspannen und dabei das Klima schützen – das lässt sich einrichten – ganz ohne aufwändige Reisevorbereitungen und weite Wege. Der NABU gibt Tipps für ein nachhaltiges Urlaubserlebnis. Wer den eigenen Garten oder Balkon genießt oder die Seen und Berge in der Region, verzichtet ganz nebenbei auf Umwelt-belastungen, die durch Fernreisen verursacht werden. Fast immer stehen in der Nähe Wander- oder Radwege zur Verfügung. Gelegenheiten zum Beobachten von Kranichen oder Gegenden mit besonders schönem Sternenhimmel sind oft nur eine Bahnfahrt entfernt. Die NABU-Kooperation „Fahrtziel Natur“ lädt ein, stressfrei mit der Bahn in 23 Nationalparke, Naturparke und Biosphärenreservate vom Wattenmeer bis in die Alpen zu reisen. Ob Insekten-exkursion, Wolfsausstellung, Fledermausführung oder Ferienlager – unter www.NABU.de/termine finden sich über 1000 Termine allein für die Urlaubszeit.

Ein Besuch beim NABU bietet Gelegenheit, die Vogelwelt an der Nord- und Ostsee, den ökologischen Wert alter Haustierrassen oder die Blütenpracht auf heimischen Orchideenwiesen zu erleben. „In unseren 60 NABU-Naturschutzzentren steht die Natur im Mittelpunkt. Bei einem Ausflug ins Grüne können sie interessante Tiere und Pflanzen entdecken und Menschen treffen, die sich für diese Oasen engagieren. Darüber hinaus bieten in Deutschland zahlreiche Schutzgebiete einen wunderbaren Gegenpol zur Reizüberflutung des Alltags“, sagt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Geschützte Flussauen, Moore, ehemalige Militärgebiete oder Bergbaufolgelandschaften dürfen sich fast ohne menschliche Eingriffe entwickeln, daher gibt es auch im Inland jede Menge Wildnis zu entdecken. Ein Urlaub am Meer oder in den Bergen stärkt zudem das Immunsystem. Naturnahe Wälder wirken sich positiv auf die Widerstandsfähigkeit bei Stress aus und eine Auszeit hilft, sich von den belastenden Alarmreizen einer Stadt, die z. B. vom Straßenverkehr ausgehen, zu erholen.

Auch im Garten und auf dem Balkon muss niemand auf Urlaubsgefühle verzichten. Ein naturnaher Garten kommt ohne Kunstdünger und torfhaltige Blumenerde aus und ist ein hohes Gut – für Menschen, Tiere, Pflanzen und das Klima. Zwischen brummenden Hummeln, singenden Vögeln und duftenden Blüten kommt für viele Menschen Entspannung auf. Hektik ausgeschlossen – mit einem Buch im Liegestuhl oder selbstgemachtem Erdbeerkuchen aus eigener Ernte kann der Urlaub beginnen.

Tipps des NABU im Einzelnen:

Von A nach B: Entspannung statt Jetlag

Flugreisen sind sehr klimaschädlich. Warum nicht die heimische Natur erkunden? Im Internet bieten zahlreiche Anbieter klimafreundliche Reisen an, beispielsweise Urlaub auf dem Bio-Bauernhof in Deutschland.

Klimaschutz im Urlaub beginnt bei der bewussten Wahl unserer Fortbewegung. Für kurze Strecken kann das Auto stehen bleiben. Hier lohnt es sich nicht nur für die Umwelt, auf die eigenen Füße, das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Beim Radeln oder Laufen stärken wir auch unser Immunsystem an der frischen Luft. Für weitere Entfernungen sollten wir die Angebote der Bahn prüfen. Eine Bahnreise in die Ferne erspart dem Klima im Vergleich zum Auto rund zwei Drittel CO2 – im Vergleich zum Flugzeug sind es sogar 75 Prozent. In der Bahn haben wir Zeit zum Lesen, müssen uns aber, wie auch bei Flugreisen nach den Fahrplänen richten. Mit dem eigenen Auto können wir zwar jederzeit losfahren, müssen uns jedoch auf Parkplatzsuche und Staus einrichten. An ungefähr 23 Stunden pro Tag steht ein privater PKW still und „belegt“ eine Parkfläche. Daher sollten wir für Gegenden, die ohne Auto kaum erreichbar sind Alternativen wie Auto-Verleiher und Carsharing in Erwägung ziehen.

 

Im Garten für gutes Klima sorgen

Gartenarbeit - Foto: Jutta Rotter/Pixelio.deGartenarbeit – Foto: Jutta Rotter/Pixelio.de

Ob im Garten oder auf Balkonien: Schon beim Kauf von Blumenerde lohnt es sich, die Augen offen zu halten: Denn größtenteils befindet sich in den Säcken statt Erde Torf – der Stoff, aus dem unsere Moore bestehen. Nicht nur für viele seltene Pflanzen- und Tierarten, auch für unser Klima ist der Torfabbau fatal: Dadurch werden große Mengen Treibhausgase freigesetzt, die den Klimawandel beschleunigen. Zahlreiche Kleingärten, Urban-Gardening-Projekte sowie Gemeinschafts- und Naturgartengruppen in ganz Deutschland machen bereits bei der NABU-Aktion „Torffrei gärtnern“ mit.

Auf unnötige elektrische oder motorbetriebene Geräte bei der Gartenarbeit können wir verzichten – sie verursachen häufig nicht nur Lärm, sondern stoßen auch Schadstoffe aus. Die zusätzliche Bewegung an der frischen Luft tut unserer Gesundheit gut.

 

Klimaschutz im Einkaufskorb

Einkaufswagen mit Bioprodukten - Foto: NABU/Sebastian HennigsEinkaufswagen mit Bioprodukten – Foto: NABU/Sebastian Hennigs

Der Kauf regionaler Produkte macht Spaß, denn wir lernen unsere Umgebung besser kennen und ersparen unserer Umwelt die Belastung durch überflüssige Transportwege. Außerdem ist es gesund und gut für das Klima, wenn wir weniger tierische Produkte konsumieren. Bis ein Tier als Steak oder Wurst auf unseren Tellern liegt, wurden enorme Massen an Ressourcen wie Land, Wasser, Energie und Getreide verbraucht. Ein Viertel der eisfreien Erdoberfläche wird heute für die Viehhaltung genutzt. Dazu zählen riesige Gebiete im Amazonaswald, die eigens für die Nutztierhaltung abgeholzt wurden – und immer noch werden. Die Rodung solcher Wälder stellt unter anderem eine große Bedrohung für die Artenvielfalt dar und verringert die Möglichkeit der CO2-Speicherung. Entstehende Monokulturen führen zu Bodenerosion. Für ein Kilo Rindfleisch ohne Knochen benötigt man fast 15.500 Liter Wasser, davon alleine 15.300 Liter für den Futteranbau. Daher ist es an der Zeit, dass wir uns beim Fleisch- und Milchkonsum einschränken. Gesund ist der Genuss von 600 Gramm Fleisch oder Wurst pro Woche, was in Deutschland vor allem von den Männern weit überschritten wird.

Natürlich schützen wir auch mit dem Kauf von Bio-Produkten das Klima, denn Bio-Landwirte können auf chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel verzichten. Deren Herstellung ist mit einem hohen Ressourcen- und Energieverbrauch mit entsprechendem CO2-Ausstoß verbunden. Durch den auf Bio-Äckern besser geschützten Oberboden mit höherem Humusgehalt werden zudem auch größere Mengen an CO2 gespeichert und der Atmosphäre entzogen.

Anstelle von Plastiktüten, sollten wir in Stofftaschen oder Körben den Einkauf nach Hause oder in die Ferienwohnung tragen. Auch Mülltrennung ist Klimaschutz: Durch das Recycling von Leichtverpackungen, Glas und Papier, Pappe, Karton werden in Deutschland jedes Jahr über drei Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart – mit großen Potenzial nach oben!

 

Limo trinken und Klima schützen

Foto: Helge MayFoto: Helge May

Im Urlaub haben wir endlich mehr Zeit für Pausen zum Beispiel mit einer Limonade – aber bitte nicht auf Kosten der Umwelt. Wenn wir auf Wegwerf-Produkte verzichten, sparen wir wertvolle Ressourcen und vermeiden Müll. Mit Mehrweg-Flaschen unterstützen wir automatisch regionale Vertriebsnetze und kurze Fahrtwege. Supermärkte und Imbisse haben viele Einweg-Plastikflaschen im Angebot. Alleine für die Herstellung dieser Plastikflaschen wurden im Jahr 2015 in Deutschland über 650.000 Tonnen Rohöl benötigt.

Wenn wir eher große Flaschen nutzen, anstatt die kleineren Flaschen zu kaufen, sparen wir auch auf diesem Weg Material und verbrauchen so weniger Energie. Es liegt in unserer Hand, ob ressourcenfressende Getränkedosen und Einweg-Plastikflaschen in den Regalen versauern bis sie aus dem Angebot genommen werden.

 

Klimaschutz auf dem Grill

Foto: Helge MayFoto: Helge May

Ob eingelegte Auberginen oder Tofu-Tomaten-Spieße – viele bunte Gerichte sind klimafreundlicher als Nackensteak und Rostbratwurst und sorgen für Abwechslung auf dem Rost. Kräuter und Gemüse können gerade im Sommer aus der Region bezogen oder vom eigenen Balkon oder Garten geerntet werden.

Um Müll zu vermeiden, ist es wichtig, auf Wegwerf-Grills und nur einmal benutzbares Plastik- oder Papp-Geschirr zu verzichten, da sie nur unnötig Energie und Ressourcen verbrauchen. Von Mehrweg-Geschirr schmeckt es auch meistens besser. Auch Einwegprodukte aus so genanntem „Bio-Plastik“, die als bioabbaubar oder kompostierbar angepriesen werden, sind keine Alternative: Die Anbaumethoden der Rohstoffe sind ökologisch bedenklich und selbst diese Produkte zersetzen sich gegenwärtig nicht in der Natur, sondern nur unter Laborbedingungen in bestimmten Kompostierungsanlagen.

Leider ahnen die meisten nicht, dass mit Holzkohle auch viel Tropenholz verfeuert wird, denn ein großer Teil stammt aus den Tropenwäldern Paraguays und Argentiniens. Wenn wir uns an Produkte mit FSC oder Naturland-Siegel halten, wird bei der Herstellung auf eine nachhaltige Forstwirtschaft und die Einhaltung sozialer und ökologischer Kriterien geachtet. Darüber hinaus gibt es klimaschonende Kohlevarianten, für die kein Holz verwendet werden muss. Beispielsweise Grillkohle aus Kokosnussschalen – oder aus Olivenkernen. So stellt die Firma OlioBric Briketts aus den Rückständen der Olivenölpressung her. Diese Oliven-Briketts bieten nicht nur eine hohe Heizkraft, sondern werden auch nachhaltig und müllvermeidend produziert. Auf chemische Grillanzünder können wir verzichten. Leicht brennbare, ökologische Materialien, etwa kleine Äste und Stöckchen, Karton oder ein Anzündkamin tun es genauso gut.

 

Kühlen Kopf bewahren bei Hitzewelle

Schneemänner - Foto: Helge MaySchneemänner – Foto: Helge May

Auch wenn es in den vier Wänden mal zu heiß wird – möglichst ganz verzichten sollten wir auf Klimaanlagen. Sie sind nicht nur in der Anschaffung teuer, sondern verbrauchen auch Unmengen an Strom und produzieren trockene Luft die unsere Haut und Schleimhäute belastet. Wenn der Strom mit fossilen Energieträgern erzeugt wird, leidet das Klima zusätzlich. Rollos vor den Fenstern helfen, die Räume angenehm kühl zu halten. Eine kalte Dusche sorgt bei heißen Temperaturen für einen kühlen Kopf. So können wir Energie für die Erwärmung des Wassers sparen und Kreislauf und Bindegewebe freuen sich ebenfalls. Sparduschköpfe mischen Wasser mit Luft und halbieren so den Wasserverbrauch und die Kosten.

Das richtige Lüftungsverhalten ist entscheidend für die Raumtemperatur im Sommer. Gelüftet werden sollte vor allem in den kühlen Stunden des Tages, also nachts sowie morgens und abends. Heizen sich die Räume erst einmal auf, ist es schwer, die Wärme wieder hinaus zu bekommen. Gibt es auch nachts keine deutliche Abkühlung unter 20 Grad Celsius, kann auch tagsüber das Öffnen der Fenster sinnvoll sein. Dann sollten alle Fenster vollständig geöffnet und quer gelüftet werden. Ein guter Durchzug kann einen Ventilator-Effekt erzeugen. Damit sinkt die Temperatur zwar nicht real, aber gefühlt.

Laubbäume können zudem mit ihrem Schatten dazu beitragen, dass sich Häuser nicht unnötig aufheizen. Für die mittelfristige Planung schützt gegen Hitze eine gute Wärmedämmung. Sie hält auch im Sommer die Hitze draußen. Neben Wärmedämmverbundsystemen gibt es bereits eine Vielzahl an ökologischen Alternativen wie Holzweichfaserplatten oder Hanf. Bei der Anbringung sollte auf den Artenschutz geachtet werden. Gebäudebrüter, wie Mauersegler, und Fledermäuse sind sehr standorttreu und müssen laut Bundesnaturschutzgesetz auch nach Arbeiten am Haus ein Zuhause finden.

 

Stromverbrauchern den Stecker ziehen

Steckdose - Foto: European CommunitySteckdose – Foto: European Community

Ob Freibad oder Fahrrad-Tour ins Grüne: Alle Geräte gehören ausgeschaltet, wenn wir den ganzen Tag unterwegs sind. Mit abschaltbaren Steckerleisten drehen wir allen Geräten zuverlässig den Strom ab und verhindern auch eine unnötige Wärmezufuhr. Wenn wir mehrere Wochen nicht zuhause sind, sollten wir auch den Kühlschrank ganz abschalten und die Tür offen stehen lassen um Schimmelbildung zu vermeiden.

Wichtig ist auch, dass immer mehr Stromkunden auf einen guten Ökostrom-Anbieter setzen. Wir haben es in der Hand, schmutzigen Energieversorgern den Geldhahn abzudrehen und unsere persönliche naturverträgliche Energiewende zu machen: Kein Dauerauftrag für Kohle- und -Atomkonzerne! Wichtig ist dabei, Ökostrom-Anbieter zu wählen, die nachweisen können, dass sie tatsächlich in den Bau neuer Anlagen zur Nutzung von Wind- und Solarenergie oder in die ökologische Modernisierung von Wasserkraftwerken investieren. Dies gewährleisten Ökostrom-Anbieter, die mit dem „Grüner Strom Label“ ausgezeichnet sind. Vorbildliche, bundesweit aktive Anbieter sind Elektrizitätswerke Schönau, Greenpeace Energy, Naturstrom AG und LichtBlick.