Deutscher Umweltpreis zeichnet Forschung für Artenvielfalt und Moorschutz aus

Spitzenforschung: Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese und Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joosten erhalten dieses Jahr den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Höhe von 500.000 Euro. Michael Frank und Tobias Dahms

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) vergibt den diesjährigen Deutschen Umweltpreis in einer Höhe von insgesamt 500.000 Euro an zwei international renommierte Persönlichkeiten, die in ihren Wissenschafts-Disziplinen Herausragendes für mehr Arten-, Klima- und Umweltschutz erreicht haben: Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese für ihre Spitzenforschung zur Bedeutung der biologischen Vielfalt für Planet und Mensch sowie Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joosten für seine jahrzehntelange wissenschaftliche Arbeit über Moore als Klimaschützer – und den gravierenden Folgen von Moor-Entwässerung für die Erderwärmung. „Der Deutsche Umweltpreis 2021 soll ein Signal sein: Wir haben nur eine Erde. Und wir müssen mit der Vielfalt des Lebens behutsam umgehen“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. „Die beiden Ausgezeichneten haben dazu einen überragenden Beitrag geleistet.“ Der Deutsche Umweltpreis der DBU wird am 10. Oktober in Darmstadt von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht.

Wegweisende Erkenntnisse zu Artenrückgang und Moorschutz

Der Deutsche Umweltpreis in Höhe von 500.000 Euro ist einer der höchstdotierten Umweltpreise in Europa. Ökologin Böhning-Gaese hat nach Bondes Worten „einen enormen wissenschaftlichen Beitrag geleistet, damit wir begreifen, welche dramatischen Folgen der Artenverlust für Menschen und das gesamte Zusammenwirken des Planeten hat“, sagt Bonde. „Uns allen wird dadurch klar, dass wir den Kampf gegen den Artenrückgang als große gesellschaftliche Herausforderung beherzt angehen müssen.“ Ähnliche wegweisende Erkenntnisse seien Moorforscher Joosten zu verdanken.

„Er hat mit unermüdlichem Engagement überhaupt das Bewusstsein dafür geweckt, dass Moore unverzichtbare Verbündete bei der Überwindung der Klimakrise sind“, so der DBU-Generalsekretär. „Und wenn wir nicht auf die Moore achten, wenn wir sie nicht vor Entwässerung schützen, dann wird uns der Klimawandel künftig noch größere Probleme bereiten, als wir sie jetzt schon spüren.“

Präzise Vorhersagen von Umweltveränderungen in Ökosystemen

International herausragendes wissenschaftliches Renommee hat sich die in Oberkochen (Baden-Württemberg) geborene Biodiversitätsforscherin speziell auf dem Gebiet der Makroökologie erarbeitet: Mit den Methoden dieses modernen Forschungsgebiets untersucht sie ökologische Zusammenhänge lokal, regional, kontinental und global sowie in unterschiedlichen Zeitskalen. Die Forscherin untersuche komplexe Folgen von Klima- und Landnutzungswandel für Biodiversität und Lebensgemeinschaften von Tieren und Pflanzen, so Bonde.

Die Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums sei bestrebt, Umweltveränderungen in Ökosystemen in den nächsten Jahrzehnten so genau wie möglich vorherzusagen – und damit mögliche Folgen für den Menschen. Bonde: „Nur wenn wir die Prozesse erkennen und verstehen, können wir gezielt Maßnahmen ergreifen, um sie zu stoppen.“ Und: Die Professorin habe maßgeblich die Grundlagen für die Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft für eine Agrarwende in Deutschland gelegt. Während eines USA-Aufenthalts erforschte Böhning-Gaese, welche Faktoren die Vogelpopulationen beeinflussen und welche Unterschiede es zwischen Nordamerika und Europa gibt. Ein Fazit: In Europa gingen insbesondere die Vogelbestände der Agrarlandschaften zurück.

Mehr als 600 wissenschaftliche Publikationen und Forschungsreisen von Alaska bis Nordkorea

Moorforscher Joosten ist nach einem Biologie-Studium sowie verschiedenen wissenschaftlichen Stationen in den Niederlanden 1996 an das Institut für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald gewechselt. Dort hat er seitdem bis zu seinem gerade begonnenen Ruhestand geforscht und gelehrt. In mehr als 600 wissenschaftlichen Publikationen, darunter Standardwerken wie seine Habilitation 2002 „Wise Use of Mires and Peatlands – Background and Principles“, sowie auf vielen Forschungsreisen in die Moorgebiete der Welt – von Alaska bis nach Nordkorea – hat er auf die komplexen Zusammenhänge im Lebensraum Moor immer wieder hingewiesen und neue Entdeckungen gemacht – etwa das mittlerweile als Weltnaturerbe anerkannte einzigartige sogenannte Regendurchströmungsmoor in Georgien.

©DBU

DBU-Generalsekretär Bonde: „Er steht wie kaum ein anderer dafür, dass wir die Moore als Landschaftstyp und Klimaschützer brauchen – und deshalb vor Entwässerung schützen müssen.“ Die Auswirkungen auf die Erderwärmung sind laut Bonde dramatisch. Weltweit seien bereits etwa ein Fünftel der Moore entwässert, in Deutschland sogar schon nahezu 95 Prozent – „mit gravierenden Folgen für die Treibhausgas-Emissionen“. Wiedervernässung und Wiederherstellung der Lebensräume seien „das Gebot der Stunde“ und „ein entscheidender Schlüssel“, um auf natürlichem Weg Kohlendioxid (CO2) zu binden. Joosten habe überdies den Begriff „Paludikultur“ geprägt, „die naturverträgliche Nutzung von Mooren und damit die Wiederherstellung dieses für den Klimaschutz so wichtigen Lebensraums“. Eine Option könnte den Gartenbau revolutionieren: Torfmoos-Anbau als Ersatz für fossilen Torf.