Niedersachsen: Helferinnen in der Not

Foto: Landvolk Nds

125 aktive Dorfhelferinnen gibt es aktuell in Niedersachsen. Sie werden landesweit eingesetzt, wenn im Haushalt oder auf dem Hof krankheitsbedingt die Hausfrau oder der Hausmann ausfällt. „Der Bedarf ist enorm groß, wir freuen uns über jeden Teilnehmer – aber einen Mann hatten wir bislang noch nicht dabei. Das hängt wahrscheinlich mit der Ausbildung zusammen “, antwortet Kamila Erdmann vom Evangelischen Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen lachend auf Nachfrage des Landvolk-Pressedienstes. Fast 16.500 Einsatztage in Familien haben die Dorfhelferinnen im vergangenen Jahr geleistet.

Der Vorsitzende des Evangelischen Dorfhelferinnenwerkes Niedersachsen, Dieter Rathing, mit Absolventinnen des Weiterbildungs-kurses und neu eingestellten Mitarbeiterinnen. Mit dabei: Geschäftsführerin Renate Kräft (2.v.r.) und Seminarleiterin Gitta Matthes (hinten l.). Das Bild entstand nach dem Aussendungsgottesdienst im November 2018 in der St. Martini-Kirche in Rehburg. Foto: Kamila Erdmann

„Neun Dorfhelferinnen haben ihren Kurs gerade erfolgreich beendet. Davon haben wir fünf übernommen, die anderen Frauen haben eine Stelle im Kindergarten, in Altenheimen und anderen Betreuungseinrichtungen gefunden“, zeigt Erdmann den Bedarf auf. Und der ist groß, schließlich bringen die Dorfhelferinnen die perfekte Kombination aus Hauswirtschaft und Betreuungsleistung mit.

Perfekte Kombination aus Hauswirtschaft und Betreuungsleistung

Um Dorfhelferin zu werden, ist eine abgeschlossene Hauswirtschaftslehre Voraussetzung. Zusätzlich wird ein halbes Jahr Erfahrung im landwirtschaftlichen Betrieb gefordert, da die abschließende Prüfung zur „Fachkraft für Haushaltsführung und Familienbetreuung in Haushalten landwirtschaftlicher Betriebe“ vor der Landwirtschaftskammer erfolgt. 14 Monate dauert die Ausbildung, die im Dorfhelferinnenseminar in Loccum als einziger Ausbildungsstätte in Niedersachsen stattfindet. Ursprünglich war das Angebot als professionelle Hilfe für landwirtschaftliche Betriebe eingeführt worden. „Heute setzen wird Dorfhelferinnen nicht nur in landwirtschaftlichen Gebieten, sondern auch in Städten ein“, erklärt Erdmann die Berufsbezeichnung.

Die Helferinnenzentrale in Hannover

Bildungsgutscheine für die Ausbildungs- und Prüfungskosten

Die Dorfhelferinnen-Ausbildung können Interessierte jeden Alters absolvieren. „Im vergangenen Kursus war die älteste Teilnehmerin 60 Jahre alt, im aktuellen Kurs zählt die Jüngste 22 Jahre“, beschreibt Kamila Erdmann die Altersspanne. Bildungsgutscheine können von den Interessierten beantragt werden, um die Ausbildungs- und Prüfungskosten von insgesamt 2.500 Euro abzufedern. Nach bestandener Prüfung koordiniert die Einsatzleitung des Dorfhelferinnenwerks die Einsätze der Frauen, die 37 Stationen in Niedersachsen zugeordnet sind. Je nach Erkrankung werden von der gesetzlichen Krankenkasse vier bis zu 26 Wochen Haushaltshilfe durch die Dorfhelferin gezahlt. Bei sehr schweren Erkrankungen kann die Zeit verlängert werden. Was viele nicht wissen: Es müssen nicht unbedingt kleine Kinder im Haushalt leben! Die Betreuung der pflegebedürftigen Eltern, das Führen des Haushalts oder die Übernahme landwirtschaftlicher Tätigkeiten zählen auch zum Aufgabengebiet der Dorfhelferinnen. Jeder Haushalt hat darauf Anspruch. Infos gibt es beim Dorfhelferinnenseminar Loccum unter Telefon 05766-7274 oder unter www.landeskirche-hannover.de.