Uni Kassel installiert Stadtklimamessnetz

Mitarbeiter installieren eine Messvorrichtung. Copyright: Uni Kassel.

Ein Sommer mit Wetterkapriolen geht zu Ende – künftig untersucht das Fachgebiet Umweltmeteorologie der Universität Kassel mit einem eigenen Stadtklimamessnetz die Auswirkungen städtischer Strukturen auf Temperatur und Mikroklima. Einige der insgesamt knapp 20 Messstationen sind im Stadtgebiet bereits installiert. Weitere Stationen folgen in den kommenden Wochen.

Ziel ist es, die komplexen Wechselwirkungen zwischen Bebauung, Vegetation, Relief und klimatischen Bedingungen in der Stadt besser zu verstehen. Die Messstationen des Kassel Urban Climate Observation Network (KUCON) sind dabei als Ergänzung zu den bestehenden Wetter- und Klimamessung beispielsweise der Stadt Kassel gedacht.

In Kassel – wie in vielen anderen Städten – macht sich der Klimawandel zunehmend bemerkbar und wird zusätzlich von dem Effekt der sogenannten städtischen Wärmeinsel verstärkt. Die Zahl der Tropennächte, also Nächte mit Temperaturen über 20 Grad Celsius, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Besonders betroffen sind dicht bebaute Stadtteile mit geringer Durchlüftung und wenig Grünflächen – etwa der Vordere Westen oder die Innenstadt.

„Uns interessiert vor allem die räumliche Variabilität der Lufttemperatur im Stadtgebiet“, erklärt Prof. Dr. Britta Jänicke, Leiterin des Fachgebiets Umweltmeteorologie. „Die gewonnenen Daten helfen uns, die Zusammenhänge besser zu verstehen und bestehende Stadtklimamodelle zu testen und weiterzuentwickeln.“

Gemessen werden unter anderem Lufttemperatur, Luftfeuchte und Niederschlag. Die kompakten Messgeräte werden überwiegend an bestehenden Strukturen wie Straßenlaternen installiert, in Kooperation mit den städtischen Werken, der Stadt Kassel und der KVG. Die Auswahl der Standorte orientiert sich dabei am Konzept der Local Climate Zones (LCZ), einem international verwendeten Klassifikationssystem, das städtische Gebiete nach Nutzung, Bebauungsstruktur und Vegetationstypen unterscheidet.

Derzeit stehen die Messdaten dem Forschungsteam und Interessierten auf Anfrage zur Verfügung. Perspektivisch sollen sie auch öffentlich zugänglich gemacht und für weitere Forschungsprojekte bereitgestellt werden. Das Projekt ist zunächst auf fünf Jahre angelegt, soll aber nach Möglichkeit verstetigt werden.

 Denn klar ist: Die Zahl der Hitzetage, aber auch anderer Wetterphänomene wird zunehmen – umso wichtiger ist es, das Lokalklima der Stadt genau zu kennen und gezielt darauf zu reagieren.