Um den Tourismussektor klimafreundlicher und nachhaltiger zu gestalten, spielt neben technischen Maßnahmen auch die Veränderung von Konsum- und Verhaltensmustern der Reisenden eine relevante Rolle. Im Projekt „Öko-Glow“ untersuchen Forschende der Hochschule Bremerhaven, ob und wie Touristiker unter anderem durch Kommunikation das Umweltverhalten von Gästen beeinflussen können. Dabei arbeiten sie mit dem Bremerhavener Hotel und Boardinghouse im-jaich zusammen.
Wie kann touristisches Verhalten nachhaltiger werden, ohne dass Gäste das Gefühl haben, auf Komfort verzichten zu müssen? Bei dieser Frage haben sich Wissenschaftler in der Vergangenheit eher mit technischen Lösungen, beispielsweise klimafreundlichen Transportmitteln oder energieeffizienten Unterkünften, beschäftigt. Doch der aktuelle Report des Weltklimarats (IPCC) zeigt, dass technologische Maßnahmen allein nicht ausreichen, um die globalen Klimaziele zu erreichen. Auch Veränderungen in individuellen Konsum- und Verhaltensmustern spielen eine entscheidende Rolle. Dabei steht auch der Tourismussektor, der etwa acht Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verursacht, hier im Fokus.
Forschende der Hochschule Bremerhaven haben nun gemeinsam mit dem Hotel und Boardinghouse im-jaich das Projekt „Öko-Glow“ gestartet. Kern davon ist die Untersuchung des sogenannten „Warm-Glow-Effekts“ – jenes positiven Gefühls, das entsteht, wenn Menschen sich umweltfreundlich oder prosozial verhalten. Frühere Studien zeigen, dass dieser Effekt nicht nur das Wohlbefinden steigern, sondern auch das Gästeerlebnis positiv beeinflussen kann.
Das Projektteam will prüfen, ob Hotelgäste sich zufriedener fühlen, wenn sie umweltfreundlich anreisen. Dafür wird untersucht, ob eine gezielte Kommunikation vor der Anreise – beispielsweise der Hinweis auf den positiven Klimabeitrag einer Bahnreise – die Zufriedenheit steigern und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel fördern kann. Die Ergebnisse sollen praxisnahe Handlungsempfehlungen für alle Unternehmen liefern, die durch kluge Kommunikation nachhaltiges Verhalten bei ihren Kunden fördern möchten.
„Wir möchten verstehen, wie Unternehmen durch ihre Kommunikation Gäste motivieren können, sich aktiv am Klimaschutz zu beteiligen – und ob sich das gleichzeitig sogar positiv auf deren Zufriedenheit auswirkt. Das übergeordnete Ziel ist, Konsum- und Verhaltensmuster von Reisenden hin zu einem nachhaltigeren Urlaub mit einem geringeren CO2-Fußabdruck zu verändern. Mit seinem Fokus auf soziale Normen und psychologische Wirkmechanismen verfolgt unser Projekt einen neuartigen, interdisziplinären Ansatz zur Emissionsreduktion im Tourismus.“, erklärt Projektleiterin Prof. Dr. Birte Kemmerling, Marketingprofessorin an der Hochschule Bremerhaven. Sie und Dr. Hans Jaich, Geschäftsführer der im-jaich GmbH & Co. KG haben das Projekt gemeinschaftlich konzipiert. Die Datenerhebungen erfolgen direkt vor Ort im Hotel im-jaich Bremerhaven, auch unter Beteiligung Bremerhavener Studierender.
„Wenn wir den Gedanken der Nachhaltigkeit ernst nehmen, darf unsere heutige Lebensweise die natürlichen Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen nicht einschränken. Unser Anspruch ist es daher, den ökologischen Fußabdruck unseres Unternehmens immer weiter zu senken und substantielle Beiträge zur Regeneration unserer natürlichen Umwelt zu leisten. Für Anregungen, wie wir dieses Ziel gemeinsam erreichen können, sind wir immer dankbar und hoffen, dass wir durch das Projekt wichtige Erkenntnisse gewinnen können, die uns bei unserem Umweltmanagement weiterhelfen“, sagt Dr. Hans Jaich.
