Pflanzenbasiertes Filtersystem zur Verbesserung der Raumluft

Quelle: AIRY GreenTech GmbH

Der Hamburger Unternehmer Peer-Arne Böttcher gehört zu den prägenden Figuren der norddeutschen Start-up- und Netzwerkszene. Seit vielen Jahren bewegt er sich an der Schnittstelle von Unternehmertum, Innovation und Beziehungsmanagement – mit Projekten, die von digitaler Politikkommunikation bis hin zu nachhaltiger Raumlufttechnologie reichen. Breitere Bekanntheit erlangte Böttcher als Gründer und Geschäftsführer der AIRY GreenTech GmbH. Das Hamburger Unternehmen entwickelte ein pflanzenbasiertes Filtersystem zur Verbesserung der Raumluft. Kernidee war es, natürliche Prozesse gezielt zu verstärken, um Schadstoffe aus Innenräumen effektiver zu reduzieren. Mit seinem designorientierten Ansatz positionierte sich AIRY nicht nur als Technologie-, sondern auch als Markenprojekt. Das Unternehmen wurde unter anderem mit dem German Brand Award ausgezeichnet – ein Hinweis darauf, dass neben der technischen Innovation auch die Markenführung Beachtung fand.


In Karikaturen des Büroalltages sah man früher oft Schreibtische mit Topfpflanzen – neben Fotorahmen der Liebsten. Mein Schreibtisch, meine Pflanze, meine Foto als Schutzwall gegen die Kollegen. Aber da scheint sich etwas verändert zu haben. Wissen Sie was?

Ich sehe auf immer mehr Schreibtischen nur noch einen Kaktus stehen – oder gar eine Kunstblume. Offensichtlich scheint bei vielen Menschen die Sorge überhand zu nehmen, dass eine echte Pflanze bei ihnen nicht überlebt.

 Schade, dabei wäre echte Pflanzen doch eher eine Bereicherung des Arbeitsalltages. Welche Wirkungen auf die Mitarbeiter sehen Sie?

Ich selber bin täglich an der frischen Luft unterwegs. Am liebsten im Wald. Da möchte ich in den eigenen vier Wänden und im Büro keinesfalls auf Pflanzen verzichten. Und tatsächlich ist die Wissenschaft sehr eindeutig: Haben wir Menschen natürliches Grün um uns herum, fühlen wir uns wohler und sind vitaler. So kam eine Studie der Universität Cardiff zu dem Schluss, dass Büropflanzen die Produktivität um 15% steigern können. Einfach so, ganz ohne KI.

15 Prozent ist eine beachtliche Größe. Da müsste das Management eigentlich Druck in Sachen Begrünung machen. Aber im Bereich der klassischen Industrie habe ich noch keine grünen Büros gesehen. Ist der Aufwand zu groß und das „Sich-kümmern-müssen“ zu lästig?

Vermutlich glauben das viele, ja. Und gerade im Büroumfeld wurde das auch über Jahrzehnte kultiviert: Da werden extra Spezialisten engagiert, die alle zwei Wochen vorbeikommen und die Pflanzen pflegen. Klar, wenn ich mir eine sogenannte Hydrokultur hinstellen lasse, dann ist das tatsächlich ein kompliziertes System, bei dem die Pflanze künstlich ernährt werden muss. Aber warum kompliziert, wenn es auch einfach geht? Es gibt inzwischen gelingsichere Lösungen, die bei weitem nicht solch einen Aufwand erfordern.

Wie sehen diese Lösungen aus was ist für die Pflanzengesundheit wichtig?

Letztlich muss sich jede Lösung an den drei Dingen orientieren, die eine Pflanze zum Leben braucht. Und das sind Licht, Nährstoffe und Wasser. Beim Licht kommt es nur auf einen geeigneten Standort drauf an. Bei den beiden anderen Dingen tatsächlich auf die Pflege. Und da hat die NASA eine sehr interessante Entdeckung gemacht. Sie hat festgestellt, dass sich bestimmte Pflanzen von den Schadstoffen ernähren, die sich in unserer Luft befinden. Sie nehmen diese Schadstoffe durch ihre Blätter auf, transportieren sie zu ihren Wurzeln und wandeln sie dort rückstandslos in Nährstoffe um. Das ist ein faszinierender, leider aber auch ein sehr langsamer Prozess.

Könnte dieser faszinierender Prozess irgendwie beschleunigt werden?

Ja, stellen Sie sich deshalb einmal vor, die Schadstoffe würden schnell und direkt zum Wurzelwerk gebracht werden. Genau dafür haben wir mit unserem Unternehmen den Blumentopf neu erfunden. Er führt die Raumluft durch ein spezielles Mineralsubstrat, das die Schadstoffe effektiv filtert. Und dieser Filter wird durch die Pflanze gereinigt. Damit ist das Ernährungsthema quasi erledigt. Und was das Wasser betrifft, unser Topf hat einen Wassertank, der nur alle drei bis sechs Wochen nachgefüllt werden muss. Damit hält sich der Aufwand in sehr überschaubaren Grenzen, und das System ist weitgehend gelingsicher.

Um auf die Raumluft zu wirken, sind sicher eine Menge Pflanzen notwendig. Arbeiten wir dann zukünftig alle im Gartencenter?

Nichts gegen Pflanzencenter, da bin ich immer sehr gerne. Aber im Büro muss es nicht so aussehen. Schließlich ist im ersten Schritt nur die Filterleistung des Topfes ausschlaggebend. Und der reicht je nach Größe für Räumlichkeiten bis zu 30 Quadratmetern. Letztlich brauche ich also nicht viele Töpfe und Pflanzen, um für eine angenehm frische und gesunde Raumluft zu sorgen.

Und wer kümmert sich um die High-Tech-Pflanzen? Der normale „grüne Daumen“ reicht da doch sicher nicht aus.

In unserem Fall liefern wir den grünen Daumen gleich mit. Schließlich muss nur der Wassertank regelmäßig aufgefüllt werden, wenn er leer ist. Und das ist je nach Topfgröße und vorhandener Raumluftfeuchtigkeit nur alle drei bis sechs Wochen notwendig. Selbst wenn ich mehrere oder sogar viele unserer AIRY-Systeme im Einsatz habe, ist das kein großer Akt.

Welche NASA-Pflanzen setzen Sie ein? Die Auswahl ist wahrscheinlich begrenzt.

Bei den besonders luftreinigenden Pflanzen handelt es sich grundsätzlich um Wüstenpflanzen oder aber Pflanzen, die aus dem Regenwald kommen. Letztere verfügen sehr häufig über Luftwurzeln, wie beispielsweise Orchideen oder die Monstera, während sich die Wüstenpflanzen darauf spezialisiert haben, all das zu verstoffwechseln, was in den kargen, sandigen Böden durch den Wind hängen bleibt.

Was ist Ihre persönliche Lieblingsraumluftplanze?

Ich persönlich mag den Bogenhanf sehr, da er nahezu unkaputtbar ist und als sogenannte CAM-Pflanze über die hervorragende Eigenschaft verfügt, nachts CO2 einzuspeichern. Damit gehört er in jedes Schlafzimmer. Süße Träume!