Städtische Grünflächen leisten weit mehr als nur einen Beitrag zur Lebensqualität: Sie speichern erhebliche Mengen organischen Kohlenstoff im Boden und tragen damit zum Klimaschutz bei. Im Projekt GreenJLU unter Leitung von Prof. Dr. Till Kleinebecker, Professur für Landschaftsökologie und Landschaftsplanung an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), wurden die Grünflächen der Gießener Universität erstmals systematisch untersucht.
Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl die Vegetationsstruktur als auch die Nutzungsgeschichte der Grünflächen entscheidend dafür sind, wie viel Kohlenstoff in den Böden gespeichert werden kann. Flächen, die intensiv gepflegt werden, speichern weniger Kohlenstoff als Bereiche mit Gehölzen und Flächen mit ehemals naturnäherer Vegetation. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Urban Forestry & Urban Greening veröffentlicht worden.

Die Forschenden haben auf 120 Grünflächen in den verschiedenen Campusbereichen der JLU Proben genommen und die Bodengesundheit in diesen Flächen in unterschiedlichen Tiefen analysiert. Sie nutzten dafür einen neu entwickelten Index aus physikalischen und chemischen Bodeneigenschaften. Dabei zeigte sich: Weniger intensiv bewirtschaftete Grünflächentypen wie Flächen mit Gehölzen und Wildblumenwiesen zeigten eine höhere Bodengesundheit als kurz geschnittene Rasenflächen und wiesen höhere Kohlenstoffvorräte auf.
„Die Bedeutung urbaner Grünflächen für den Klimaschutz ist bislang oft unterschätzt worden“, sagt Prof. Kleinebecker. „Dabei können Grünflächen als bedeutende Kohlenstoffsenken wirken.“
Die Studie zeigt, dass es verschiedene Faktoren gibt, die die Kohlenstoffspeicherung in Böden beeinflussen. Hierzu zählt zum einen die Vegetation, denn Grünflächen mit Bäumen und Sträuchern enthalten deutlich mehr organischen Bodenkohlenstoff als kurzgeschorene Rasenbereiche. Auch die Nutzungsgeschichte spielt eine Rolle. So speichern weniger stark überformte Standorte – etwa Flächen mit ehemals naturnäherer Vegetation – heute mehr Kohlenstoff. Nicht zuletzt beeinflusst das Management die Speicherleistung: Bodenschonende Pflege, natürliche Laubschichten und gut entwickelte Wurzelsysteme fördern die Kohlenstoffbindung.

„Diese Studie liefert wichtige Impulse für die nachhaltige Gestaltung und Pflege der universitären Freiflächen ebenso wie für die städtische Grünflächenplanung in Gießen“, so die Erstautorin der Studie Mojdeh Safaei vom Institut für Landschaftsökologie und Landschaftsplanung der JLU. „Durch gezieltes Management, erhöhten Gehölzanteil und die Berücksichtigung der historischen Nutzung können sowohl die JLU als auch die Stadt das Kohlenstoffspeicherpotenzial ihrer Grünflächen deutlich steigern und damit zu den gemeinsamen Klimaschutzzielen beitragen.“
Die JLU ist im Raum Gießen eine der bedeutendsten Flächeneigentümerinnen. Auf ihren Liegenschaften befinden sich zahlreiche unversiegelte Grünflächen unterschiedlichster Größe, die im Rahmen des Projekts GreenJLU alle systematisch erfasst wurden. Für jede Einzelfläche sind die genaue Lage, Größe und eine Klassifikation in verschiedene Kategorien wie Gebäude, Bäume oder Grasflächen in einem interaktiven Geoinformationssystem hinterlegt.
