Kleidung ist oft Wegwerfware: T-Shirts für Events, generelles Merchandise oder kurzfristige Kampagnen landen oft schon nach wenigen Einsätzen im Müll. Dies ist besonders ärgerlich, da für deren Produktion bis heute in der Regel fossile Stoffe verwendet werden. Genau hier setzt ein neues Forschungsprojekt der Hochschule Hof an. Unter dem Titel „DisAPPrint“ entwickelt das Institut für Materialwissenschaften (ifm) am Campus Münchberg gemeinsam mit der Willy Maisel GmbH in Konradsreuth (Landkreis Hof) eine innovative, biobasierte Textilbeschichtung – gewonnen aus Reststoffen der Pilzproduktion.
Ziel des Projekts ist es, textile Ressourcen einzusparen und gleichzeitig eine umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Druckbeschichtungen zu schaffen.
Ein wachsendes Problem: Kurzlebige Textilien
Ob Konzertshirt oder Werbegeschenk – viele bedruckte Kleidungsstücke werden nur wenige Male getragen. Die Folge: steigende Textilmengen im Abfall und eine zusätzliche Belastung durch fossile Materialien in Druckbeschichtungen.„Wir sehen hier ein enormes Potenzial, Ressourcen einzusparen und gleichzeitig neue Wege in der Textilveredelung zu gehen“, erklären Alexandra Luft und Dr. Katharina Wellmanns vom Institut für Materialwissenschaften der Hochschule Hof. „Gerade im Bereich kurzlebiger Textilien ist der Bedarf an nachhaltigen Alternativen besonders groß.“
HS Hof entwickelt nachhaltige Textilbeschichtung für die Mode von morgen
Die Forschenden setzen auf einen ungewöhnlichen Rohstoff: Pilzreste aus der Lebensmittelproduktion. In Europa fallen diese in großen Mengen an – bislang weitgehend ungenutzt. Allein in Bayern gibt es eine zweistellige Anzahl von Pilzproduzenten, die entsprechende Reststoffe liefern können. Aus diesen Nebenprodukten wird im Rahmen des Projektes Chitosan gewonnen – ein biobasierter Stoff, der in Pulverform extrahiert wird. In saurer Lösung entsteht daraus eine gelartige Masse, die als dünner Film auf Textilien aufgebracht werden kann.
„Das Besondere ist, dass wir hier einen Rohstoff nutzen, der bereits vorhanden ist und bislang kaum Wertschöpfung erfährt“, so Dr. Wellmanns. „Damit schaffen wir die Grundlage für eine nachhaltige und gleichzeitig wirtschaftlich interessante Lösung.“
Ob sich diese neue Beschichtung tatsächlich im Alltag bewährt, wird im Rahmen des Projekts umfassend untersucht. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob Farben brillant bleiben und Drucke langlebig sind, sondern auch um die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Materialien wie Baumwolle oder Polyester sowie an verschiedene Druckverfahren wie Sieb- oder Digitaldruck. Darüber hinaus wird die Beständigkeit unter realen Nutzungsbedingungen getestet. Im hochschuleigenen Prüfamt in Münchberg wird untersucht, wie die Beschichtungen auf Schweiß, alkoholische Getränke oder auch Fruchtsäfte reagieren und ob sie den Belastungen des Alltags standhalten.
Von der Theorie in die Praxis: Tests unter realen Bedingungen
Ein wichtiger Partner ist dabei ist auch die Willy Maisel GmbH aus Konradsreuth im Landkreis Hof, die die Materialien im realen Druckprozess testet. „Für uns ist es entscheidend, dass innovative Materialien nicht nur im Labor funktionieren, sondern auch im industriellen Alltag bestehen“, betont Geschäftsführer Willy Maisel. „Das Projekt bietet die Chance, nachhaltige Lösungen direkt in bestehende Produktionsprozesse zu integrieren.“
Interdisziplinäre Forschung als Schlüssel
Das Projekt „DisAPPrint“ verbindet somit mehrere Fachbereiche miteinander: Chemie, Materialwissenschaften und Textiltechnik arbeiten Hand in Hand. Während die Hochschule Hof für die Extraktion, Entwicklung und Charakterisierung des Chitosans verantwortlich ist, bringt die Industrie ihre Expertise in der praktischen Anwendung ein. „Der Technologietransfer zwischen Hochschule und Mittelstand ist ein zentraler Bestandteil dieses Projekts“, erklärt Alexandra Luft. „Nur so können Innovationen schnell und effektiv in die Anwendung gelangen.“
Herausforderungen auf dem Weg zur Marktreife
Trotz vielversprechender Ansätze stehen die Forschenden vor anspruchsvollen Aufgaben. Die Gewinnung von gleichbleibend hochwertigem Chitosan aus biologischen Reststoffen erfordert ebenso präzise Prozesse wie die Entwicklung stabiler und zugleich flexibel einsetzbarer Beschichtungen. Auch die Anpassung an unterschiedliche Textilien und Druckverfahren sowie die Sicherstellung von Haptik und Tragekomfort sind entscheidende Faktoren, die über den Erfolg der Innovation entscheiden. „Die größte Herausforderung besteht darin, Nachhaltigkeit und Funktionalität in Einklang zu bringen“, erklärt Luft. „Am Ende muss das Produkt nicht nur ökologisch überzeugen, sondern auch die hohen Qualitätsanforderungen unserer Kunden erfüllen.“
Neue Wertschöpfung aus bestehenden Ressourcen
Neben der technischen Entwicklung verfolgt das Projekt auch einen wirtschaftlichen Ansatz: den Aufbau einer neuen Wertschöpfungskette rund um Pilzreststoffe. Was bislang als Abfall galt, könnte künftig zum Ausgangspunkt eines neuen Geschäftszweigs werden.
