Strenge staatliche Sparpolitik wirkt sich negativ auf struktur-schwache Dörfer und Kleinstädte aus. Ein neuer Sammelband widmet sich dieser Problematik aus verschiedenen Perspektiven: Wer im ländlichen Raum aufgewachsen ist, kennt es vermutlich: Geschäfte schließen, Schulen sind sanierungsbedürftig und Straßen mit Schlaglöchern übersät. Die finanzielle Lage in Kommunen ist häufig angespannt, die Probleme sind somit schwer lösbar. Eine strenge staatliche Sparpolitik setzt der Kasse von Dorfgemeinden und Kleinstädte zusätzlich zu.
Welche Herausforderungen stellen sich den ländlichen Kommunen? Welche Folgen hat strenge Sparpolitik für ländliche Räume? Wie lassen sich diese Formen erfassen und analysieren?
Diesen und weiteren Fragen widmet sich der neue Sammelband „Krisen ländlicher Räume“. Herausgegeben haben ihn Dr. Andreas Kallert, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Humangeographie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), und Dr. Simon Dudek, Wirtschaftsgeograph an der Katholischen Universität (KU) Eichstätt-Ingolstadt.
Staatliche Sparpolitik neu verstehen
Für die Kommunalpolitik war die finanzielle Lage zu Anfangszeiten der Bundesrepublik entspannter als heute. Bis in die 1970er-Jahre sorgte das Wirtschaftswunder in Kombination mit hohen Steuern für steigende Einnahmen. Das sollte sich ändern: „In den 70ern wurden die kommunalen Realsteuern für Grund und Gewerbe als Standortfaktoren neu bewertet“, so Kallert. Die öffentlichen Finanzen gerieten durch die Abschaffung der Gewerbekapitalsteuer von 1998 und die große Steuerreform 2001 zusätzlich unter Druck.
Die Herausgeber plädieren an die Forschung: „Strenge staatliche Sparpolitik darf nicht einfach als kurzfristige Reaktion auf weltweite Finanz- und Wirtschaftskrisen verstanden werden. Sie ist bedauerlicherweise eine verfestigte gesellschaftliche Norm, die als solche zu untersuchen ist.“ Die Autoren befürchten, dass vor allem rechtsradikale und -populistische Parteien den Spardruck in den kommunalen Haushalten für politische Zwecke instrumentalisieren könnten.
Die Nordhalbener Erklärung
Der Sammelband entstand im Rahmen eines Workshops, den die beiden Herausgeber auf der Tagung „Kommunalfinanzen in der multiplen Krise“ in der oberfränkischen Marktgemeinde Nordhalben im März 2025 hielten. Infolge der Tagung riefen Forschende der KU Eichstätt-Ingolstadt die Nordhalbener Erklärung ins Leben. Diese soll die Politik auf Landes- und Bundesebene auf die schwierige finanzielle Situation struktur-schwacher Dörfer und Kleinstädte aufmerksam machen.
Kallert, Andreas /Dudek, Simon (Hrsg.) (2026): Krisen ländlicher Räume: Ursachen und Folgen von Austeritätspolitik in Kommunen. transcript Verlag (Reihe: Kritische Landforschung), PDF-ISBN: 978-3-8394-0292-4, Print-ISBN: 978-3-8376-7727, 340 Seiten.
Das PDF ist kostenlos als open access verfügbar.
Die Print-Ausgabe erscheint voraussichtlich am 27. Mai 2026 und kostet 45 Euro.
