Das nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte Welthandelssystem, das der Maxime eines liberalen Handels folgte, ist eine Quelle beispiellosen Wohlstands. Nicht zuletzt hat der Agrarhandel, der rund acht bis zehn Prozent des globalen Warenhandels ausmacht, maßgeblich zur Reduktion von Hungerrisiken und Mangelernährung im globalen Süden beigetragen. Doch die politischen Prioritäten haben sich verändert. Geopolitische Rivalitäten, Sanktionen, Exportverbote, Zölle und eine wachsende Zahl nicht-tarifärer Handelshemmnisse stellen das regelbasierte Handelssystem zunehmend in Frage.
In der öffentlichen Debatte tauchen dabei im Kontext einer vermeintlichen Versicherheitlichung globaler Beziehungen vermehrt Leitbegriffe wie „Souveränität“, „Derisking“ oder „Friendshoring“ auf. Sie versprechen Stabilität und Verlässlichkeit durch mehr staatliche Kontrolle und handelspolitische Feinsteuerung. Allerdings dürfte genau das Gegenteil der Fall sein: Handel wird dadurch eben nicht verlässlicher. Vielmehr wird genau die Flexibilität beschnitten, die Märkte in Krisen resilient macht. Risiken im Handel sind real, aber ihre Eingrenzung gelingt nicht durch kleinteilige staatliche Steuerung, sondern durch Transparenz, Kooperation und widerstandsfähige Institutionen. Wer das globale Sicherheitsnetz erhalten will, muss es weiterentwickeln und erneuern – nicht außer Kraft setzen.
Was vor allem benötigt wird, ist geopolitische Stabilität
Die Vermeidung von Kriegen und (Handels-)Konflikten hängt letztlich vom politischen Willen und den diplomatischen Fähigkeiten der beteiligten Regierungen ab. Nur Kooperation und keineswegs Konfrontation begünstigt effiziente und nachhaltige globale Wirtschafts- und Handelsstrukturen, die entscheidend für Wachstum und Wohlstand sind. Dies ist einmal mehr von Bedeutung, wenn es darum geht, Hunger und Armut im Globen Süden zu bekämpfen, sagt Thomas Glauben, Direktor des IAMO.
Der IAMO Policy Brief 50 „Versicherheitlichung führt nicht zu mehr, sondern weniger Verlässlichkeit im globalen (Agrar-)Handel“ ist in der deutschen und englischen Sprache erschienen. Die Ausgaben können auf der folgenden Webseite kostenfrei heruntergeladen werden: www.iamo.de/iamo-policy-briefs.
