12 Länder zusammen in einem Projekt zur Meeresforschung

Küstenlinie von (Nord-)Sulawesi, Indonesien: Korallenriffe, Mangrovenwälder und Seegraswiesen sind eng miteinander vernetzt und bilden gemeinsam eine 'Tropische Triade' von Küstenökosystemen. Quelle: Sebastian Ferse Copyright: Sebastian Ferse, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

Zwanzig interdisziplinäre Partner aus 12 Ländern in Europa, Südostasien und Melanesien starten im September 2026 ein vierjähriges, richtungsweisendes Verbundprojekt, das von der Europäischen Union mit einem Budget von sechs Millionen Euro finanziert wird. Das Projekt m-CONNECT („Management of Coastal Networks Nurtured through Ecosystem Assessment, Collaboration and Technology“) untersucht Korallenriffe, Mangrovenwälder und Seegraswiesen als Ökosysteme von zentraler Bedeutung für Biodiversität, Klimaresilienz und das Wohlergehen der Menschen an tropischen Küsten. Es wird vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen koordiniert.

Korallenriffe, Mangrovenwälder und Seegraswiesen sind eng miteinander vernetzt und bilden zusammen eine „Tropische Triade“ von Küstenökosystemen. Gemeinsam stellen sie unerlässliche Ökosystemleistungen bereit, wie etwa natürliche Ressourcen und Küstenschutz. Damit ist die Tropische Triade entscheidend für das Wohlergehen lokaler Gemeinschaften an tropischen Küsten. Bisherige Ansätze in Forschung und Management betrachten die einzelnen Ökosysteme überwiegend getrennt voneinander. Ein integrierter Schutz der biologischen Vielfalt erfordert jedoch ein besseres Verständnis der ökologischen und sozialen Verknüpfungen innerhalb der Tropischen Triade und ihrer Reaktionen auf Veränderungen. Dieses Wissen ist auch entscheidend, um ihr volles Potenzial für Kohlenstoffspeicherung, Klimaresilienz und ein nachhaltiges Wachstum der „blauen“ Wirtschaft auszuschöpfen.

Die Verbindungen innerhalb der Tropischen Triade sind entscheidend für einen guten Zustand und die Produktivität von Küstenökosystemen. So sind Korallenriffe zwar Lebensraum für ein Viertel aller marinen Tierarten, doch verbringen viele dieser Arten Teile ihres Lebenszyklus in Mangrovenwäldern oder Seegraswiesen. Diese Wanderungen bilden eine Grundlage für die enorme Artenvielfalt und Produktivität dieser Systeme und damit auch für die Küstenfischerei.

m-CONNECT untersucht die unterschiedlichen Dimensionen der Verbindungen zwischen Korallenriffen, Mangrovenwäldern und Seegraswiesen, sowie ihre sozioökonomische Bewertung. Die Tropische Triade ist von großer ökologischer und sozioökonomischer Bedeutung und für Interessengruppen aus verschiedenen Sektoren und Regionen relevant.

Daher setzt das Projekt auf einen stark kollaborativen Ansatz: Gemeinsam mit indigenen Völkern und lokalen Gemeinschaften sowie weiteren Akteuren auf örtlicher und regionaler Ebene wird m-CONNECT wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für den Schutz und die Wiederherstellung von Korallenriffen, Mangrovenwäldern und Seegraswiesen sowie für die Stärkung ihrer Ökosystemleistungen entwickeln. Dieses Wissen soll zu integrierten und wirksameren Managementstrategien beitragen und so den Küstenschutz und die Widerstandsfähigkeit der Küstenregionen stärken.

Dr. Sebastian Ferse, Senior Scientist am ZMT und wissenschaftlicher Koordinator des Projekts: „Wir freuen uns sehr, dass diese gemeinsame Initiative nun startet, die zwei Jahre in der Vorbereitung war. Die Zusammenarbeit von 20 Partnern aus verschiedenen Regionen der Welt zu koordinieren und sich in einem komplexen Geflecht aus relevanten Akteuren und politischen Rahmenbedingungen zu bewegen, wird eine Herausforderung sein. Die vielfältige Expertise im Konsortium – darunter umfangreiche Erfahrung in der Zusammenarbeit mit politischen Entscheidungsträgern und lokalen Gemeinschaften – sowie die starke Einbindung von Partnern aus den Untersuchungsregionen werden uns jedoch dabei helfen, die notwendige Wirkung und Reichweite zu erzielen.“

Konsortium arbeitet interdisziplinär und eng vernetzt zusammen

Die Projektpartner arbeiten mit neuesten Techniken und Methoden aus Natur- und Sozialwissenschaften, um die vernetzten Ökosystemprozesse erfassen, die den essenziellen Ökosystemleistungen und ihrer Bewertung zugrunde liegen zu untersuchen. Zudem stehen die Einflüsse von Klimawandel, Management und Renaturierungsmaßnahmen im Fokus der Arbeit.

Dr. Maria Beger, assoziierte Professorin für Naturschutzwissenschaften an der Universität von Leeds und Partner im Projekt m-CONNECT: „Die Verbindungen innerhalb der ‚Tropical Triad‘ sind von zentraler Bedeutung für die Lebenszyklen von Arten, das Funktionieren von Ökosystemen, die Kohlenstoffspeicherung und den Erhalt der Küsten. Die Forschung im Rahmen von m-CONNECT wird dazu beitragen, diese Verbindungen in fünf Ländern besser zu quantifizieren und miteinander zu vergleichen. Dabei kommen innovative Technologien und Methoden zum Einsatz, darunter mathematische Modellierung und Umwelt-DNA (eDNA).“

m-CONNECT plant zudem, die Beziehungen zwischen lokalen, regionalen und nationalen Akteuren zu stärken und auszubauen, um passende Lösungen für Management, Naturschutz und Überwachung gemeinsam zu entwickeln und umzusetzen. Diese werden in Gebieten angewendet, in denen bereits Verbindungen zwischen Projektpartnern, lokalen Partnern sowie indigenen und lokalen Gemeinschaften bestehen, um so bisherige und laufende Bemühungen zu berücksichtigen und einzubeziehen.

Geplant sind konkrete Maßnahmen, um bestehende Aktivitäten und relevante Netzwerke zu erfassen und daran anzuknüpfen. Dazu gehört insbesondere die Vernetzung mit ähnlichen Initiativen sowie die Unterstützung bei der Datenerhebung, der Verbreitung von Ergebnissen und dem Aufbau von Kapazitäten. Die Ergebnisse sollen gezielt kommuniziert werden, um eine möglichst große Wirkung zu erzielen.

Samson Vilvil Fare, Generaldirektor des Ministeriums für Fischerei, Ozean und Maritime Angelegenheiten der Republik Vanuatu und Partner im m-CONNECT-Konsortium: „Vanuatu ist stolz darauf im Rahmen des m-CONNECT-Projekts Teil eines gemeinsamen Ansatzes zu sein, der zum Ziel hat, die essentiellen Verbindungen zwischen Korallenriffen, Mangrovenwäldern und Seegras-Ökosystemen zu verstehen und zu stärken. Wir hoffen, dass das Projekt praxisnahes Wissen und konkrete Werkzeuge schafft, die ein effektives Küstenmanagement unterstützen, die Resilienz der Küstengemeinschaften stärken und zu einer nachhaltigeren Nutzung mariner Ressourcen beitragen. Durch die Verknüpfung von Forschung, traditionellem Wissen und starken Partnerschaften bietet m-CONNECT eine wichtige Chance, die Lebensbedingungen für Küstengemeinschaften und zukünftige Generationen in Vanuatu zu verbessern.“