Interaktives Webtool für Wind- und Solarenergie

KI generiert www.dieLinde.online

Wo in Deutschland gibt es gute Voraussetzungen für eine Windenergieanlage? Welche Flächen kommen für Photovoltaik-Freiflächenanlagen infrage? Was spricht für oder gegen potenzielle Standorte? Antworten auf solche Fragen liefert der EE-Standortfinder, den das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) am 5. Oktober online gestellt hat. Die interaktive und frei verfügbare Webanwendung, die das UFZ gemeinsam mit dem Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit am GFZ (RIFS) entwickelt hat, identifiziert und bewertet potenzielle Standorte für neue Windenergie- und Photovoltaik-Freiflächenanlagen. Sie richtet sich in erster Linie an Kommunen, Energieagenturen und Beratungsunternehmen, Akteure der Raum-, Regional- und Anlagenplanung, aber auch an die interessierte Öffentlichkeit.

Für die Energiewende braucht es dringend bundesweit geeignete Flächen. Doch die Suche nach Standorten ist schwierig und die Diskussionen vor Ort oft emotional aufgeladen, da unterschiedliche Interessen, räumliche Anforderungen und fachliche Belange aufeinandertreffen. „Viele Informationen, die bei einer Standortauswahl eine wichtige Rolle spielen, liegen zwar bereits als räumliche Daten vor. Sie stammen jedoch aus unterschiedlichen Quellen und sind ohne vertiefte GIS-Kenntnisse häufig nur sehr aufwendig auszuwerten“, sagt Nora Mittelstädt, die am UFZ das Projekt „EE-Standortfinder“ leitet. Die UFZ-Webanwendung bereite die relevanten Informationen so auf, dass Standortpotenziale und mögliche Zielkonflikte frühzeitig sichtbar werden.

So bewertet der EE-Standortfinder auf einer interaktiven Deutschlandkarte mittels einer Farbskala, wie gut potenzielle Standorte für Windenergieanlagen (WEA) und Photovoltaik (PV)-Freiflächen geeignet sind. Die farbliche Einstufung gibt an, wie günstig die Voraussetzungen aus rechtlicher, technischer und ökologischer Perspektive sind: „hoch“ (grün), „mittel“ (gelb), „eingeschränkt“ (rot). Grau sind jene Flächen markiert, auf denen eine Nutzung aus rechtlichen, technischen und ökologischen Gründen ausgeschlossen ist. Für die Einschätzung werden bei potenziellen WEA-Standorten insgesamt 54 Bewertungskriterien herangezogen. Dazu zählen Vegetation, Schutzgebietskategorien ebenso wie Siedlungsgebiete, Wasserflächen und Verkehrsinfrastruktur.

Berücksichtigt werden auch die Kollisionsgefahren von Windenergieanlagen mit Brutvogelarten wie Rotmilan, Uhu oder Seeadler sowie der Biodiversitätsflächenindikator des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung, der die Qualität und Vielseitigkeit von Biotoptypen als Lebensraum für verschiedene Arten bewertet. Das Potenzial der Freiflächen-PV wird anhand von 42 Kriterien bewertet. Dazu gehören nicht nur gängige Kriterien wie etwa Vegetation, Schutzgebietskategorien, Siedlungs- und Wasserflächen oder Verkehrsinfrastruktur, sondern als besonderes Kriterium beispielsweise eine Abschätzung des ackerbaulichen Ertragspotenzials der Böden. Die Bewertungskriterien werden hinsichtlich ihrer Eignung für den Bau einer Anlage als „geeignet“, „bedingt geeignet“ oder „nicht geeignet“ aufgeführt.

Der EE-Standortfinder hilft bei der Suche nach geeigneten Flächen für Wind- und Solarenergie und kann so lokale Planungs-, Beratungs- und Beteiligungsprozesse unterstützen.  Foto: UFZ

Konkret können Nutzer die potenziellen WEA und PV-Freiflächenanlagen an der gewünschten Stelle auf der Karte platzieren und die Standorteignung anhand der Kriterien bewerten lassen. Je mehr Kriterien „geeignet“ sind, desto günstiger sind die Voraussetzungen für einen möglichen Standort. Ergänzend dazu schätzt der EE-Standortfinder für die Windenergie- und Photovoltaikanlagen, wie hoch der voraussichtliche jährliche Energieertrag und der finanzielle Mehrwert für die Kommunen im 2.500-Meter-Umkreis oder die Standortkommune ausfallen würde. Somit können die Beträge in einer Gesamtabwägung Beachtung finden, und kommunale Akteure und die Zivilgesellschaft erhalten entsprechende Orientierung für ihre Beteiligungs- und Haushaltsplanung.

„Der EE-Standortfinder trifft keine automatisierte Entscheidung über den besten Standort, sondern liefert eine transparente und nachvollziehbare Informationsgrundlage und kann so lokale Planungs-, Beratungs- und Beteiligungsprozesse unterstützen“, sagt Nora Mittelstädt.

Die Anwendung richtet sich unter anderem an Kommunen, Energieagenturen und Beratungsunternehmen, Akteure der Raum- Regional- und Anlagenplanung sowie an die interessierte Öffentlichkeit. „Die Energiewende entscheidet sich auch vor Ort. Mit dem EE-Standortfinder kann man frühzeitig erkennen, wo gute Voraussetzungen für Wind- und Solarenergie bestehen und wo mögliche Konflikte liegen“, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter David Manske, der die Anwendung mitentwickelt hat.

Der EE-Standortfinder ist aber nicht nur ein wichtiges ergänzendes Planungsinstrument, sondern auch Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung: RIFS-Forschende untersuchen, welchen Einfluss die Webanwendung auf Beratungs- und Beteiligungsprozesse in der Praxis und damit auf spätere Standortentscheidungen hat. Dabei gehen sie zum Beispiel der Frage nach, ob der Einsatz des digitalen Entscheidungstools dazu beiträgt, Konflikte frühzeitiger sichtbar zu machen, und ob das die Akzeptanz und Legitimität späterer Standortentscheidungen erhöht.