Umweltschädliche Spurenstoffe können durch Regen aus Fassaden- und Dachmaterialien ausgewaschen und in Gewässer sowie ins Grundwasser eingetragen werden. Eine neue Initiative will für das Problem sensibilisieren, über Möglichkeiten zur Vermeidung solcher Schadstoffeinträge informieren und damit die Schadstoffeinträge in die Umwelt reduzieren. Wichtige Akteure aus der Allianz »Gemeinsam für eine wasserbewusste Stadtentwicklung« haben nun eine Erklärung unterzeichnet, in der sie sich zur Umsetzung konkreter Maßnahmen bekennen.
Niederschlags- und Grundwasser ist oft mit Schadstoffen belastet, die aus Baumaterialien herausgelöst wurden. Besonders relevant sind Biozide aus Materialien, die an Fassaden (Putze, Farben) oder bei Dächern gegen Algen und Pilzbefall eingesetzt werden (z.B. Diuron, Terbutryn, Isoproturon). Auch Stoffe aus Dachfolien, Dichtungs- bzw. Wurzelschutzbahnen oder Bitumenbahnen (Mecoprop, MCPA) können ausgewaschen und in Oberflächengewässer oder das Grundwasser eingetragen werden.
Selbst in niedrigen Konzentrationen beeinträchtigen solche Stoffe die Natur und die Trinkwassergewinnung. Daher sind im Einklang mit der Nationalen Wasserstrategie Maßnahmen nötig, die die Spurenstoffeinträge bereits an der Quelle verringern.
Für weniger Schadstoffe im Wasser
Mögliche Ansätze sind zum Beispiel der Einsatz von mineralischen Putzen und Farben bzw. Produkten ohne chemischen Filmschutz anstelle von biozidhaltigen Anstrichen. Schadstoffhaltige Dachdichtungsbahnen können durch solche ohne chemische Schutzschichten ersetzt werden, die keine umweltgefährdenden Stoffe freisetzen.
Initiative für biozidarme Baumaterialien gestartet
Auch die Konstruktionsweise kann eine Rolle spielen: So können beispielsweise größere Dachvorsprünge oder begrünte Fassaden dafür sorgen, dass Materialien weniger stark der Witterung ausgesetzt sind und damit weniger Emissionen verursachen. Die sogenannte Verkapselung, bei der aktive Wirkstoffe in eine schützende Hülle eingebettet werden, kann ebenfalls die Auswaschung von Spurenstoffen verringern. Der Einsatz gut abbaubarer Wirkstoffe wiederum kann die ökologischen Auswirkungen von Bioziden reduzieren
Handlungsoptionen für weniger Schadstoffe im Wasser bestehen in der Baubranche also bereits, allerdings ist das gesellschaftliche Bewusstsein für ihre Notwendigkeit bislang gering. Im Kontext einer wasserbewussten Stadtentwicklung setzt sich eine neue Initiative deswegen dafür ein, dass Behörden, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sensibilisiert werden und gemeinsam an der Umsetzung mitwirken können.
Zwölf Verbände und Stiftungen haben sich unter der Koordination des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI zusammengefunden und veröffentlichen ihre Erklärung am 22. Oktober anlässlich der Zukunftsplattform 26, der Dialogveranstaltung des Spurenstoffzentrums des Bundes. Die beteiligten Akteure bekennen sich zu konkreten Aktionen, beispielsweise zur Aufnahme des Themas in Schulungen, Projektgruppen und Öffentlichkeitsarbeit.
