Beim Bauen entstehen große Mengen Abfall, doch ein erheblicher Teil davon wäre vermeidbar. Eine neue Studie vom Institut für Bauwirtschaft und Baubetrieb der Technischen Universität Braunschweig zeigt: Nicht erst die Entsorgung auf der Baustelle entscheidet über die Mengen und Qualitäten der Bauabfälle. Bereits bei Planung, Materialbestellung, Transport und Lagerung werden wichtige Weichen gestellt.
Das vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Rahmen des Innovationsprogramms Zukunft Bau geförderte Forschungsprojekt „Zero Waste Baulogistik“ hat untersucht, wie Bauabfälle entstehen, warum sie anfallen und wie sie sich reduzieren lassen. Die Ergebnisse zeigen konkrete Möglichkeiten, um Rohstoffe effizienter einzusetzen und gleichzeitig Kosten und Umweltbelastungen zu senken.
„Um Bauabfälle konsequent zu vermeiden, müssen alle am Bau Beteiligten kreativ zusammenarbeiten – von der Planung und Ausschreibung über die Materialbeschaffung bis hin zur Ausführung im Werk und auf der Baustelle. Rücknahmesysteme der Hersteller können dazu beitragen, Transport- und Verpackungsmaterial sowie nicht benötigte Bauprodukte und Materialien wiederzuverwenden und Restmengen möglichst hochwertig zu recyceln“, sagt BBSR-Experte Daniel Wöffen.
Neue Studie zeigt: Viele Bauabfälle könnten vermieden werden

Für die Studie untersuchte das Forschungsteam zehn Baustellen der Praxispartner von Gebäuden unterschiedlicher Nutzungsarten. Betrachtet wurden unter anderem Bauteile wie Trockenbauwände, Hohlraumböden sowie Heiz- und Kühldecken. Die Untersuchung zeigt, dass Abfälle selten durch unbrauchbare Materialien entstehen, sondern vielmehr durch Verschnitt, unnötige Verpackungen, falsche Lagerung, Transportschäden oder Fehler bei der Ausführung.
Kleine Veränderungen mit großer Wirkung
Die Studie zeigt verschiedene Ansätze, mit denen Bauabfälle reduziert werden können. Dazu gehören eine bessere Planung und Abstimmung von Materiallieferungen, wiederverwendbare Transport- und Verpackungslösungen sowie vorgefertigte Bauteile, um weniger Material zuschneiden und entsorgen zu müssen. Eine bessere Sortierung von Bauabfällen reduziert die Entsorgungskosten und ermöglicht eine hochwertige Verwertung.
Besonders Verpackungen spielen eine wichtige Rolle. Je nach Material und Bauteil können sie einen erheblichen Anteil der Abfälle ausmachen. Wiederverwendbare Verpackungen und besser abgestimmte Lieferprozesse bieten deshalb ein zusätzliches Potenzial zur Abfallvermeidung.
„Unsere Untersuchungen zeigen, dass Bauabfälle zum einen nicht im Fokus der Projektrealisierung stehen und zum anderen häufig als unvermeidbares Nebenprodukt angesehen werden, obwohl diese zu einem erheblichen Anteil auf vermeidbare Ursachen wie Überbestellungen oder Wasserschäden zurückzuführen sind. Mit geeigneten Maßnahmen in Planung, Logistik und Ausführung lassen sich ökologische wie ökonomische Verbesserungspotenziale erschließen“, sagt Projektleiter Jan Niklas Lünig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Bauwirtschaft und Baubetrieb von Univ.-Prof. Dr.-Ing. Patrick Schwerdtner.
Die Ergebnisse des Forschungsprojekts können von Bauproduktherstellern, Bauunternehmen, Planenden und Bauherrschaften genutzt werden. Sie helfen dabei, bereits frühzeitig zu erkennen, wo Abfälle entstehen können und wie sich diese vermeiden lassen.
