Die TU Berlin präsentiert am 2. Oktober 2026 auf der Urban Health Conference im Bauhaus Reuse auf dem Ernst-Reuter-Platz die Ergebnisse des europäischen Forschungsprojekts U-CARE. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Städte so gestaltet werden können, dass sie die Gesundheit ihrer Bewohner fördern und zugleich besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet sind. Die Konferenz bringt Menschen aus Wissenschaft, Planung, öffentlichem Gesundheitswesen, Politik und Gestaltung zusammen und bildet zugleich den Abschluss des dreijährigen europäischen Forschungsprojekts U-CARE. Sie richtet den Blick darauf, wie Hitzeschutz in einen umfassenderen Gesundheitsschutz in Städten eingebettet werden kann. Vorträge, Live-Demonstrationen, Diskussionen und partizipative Formate zeigen, wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Strategien für gesündere und klimaangepasste Städte übersetzen lassen.
Gesunde Städte brauchen mehr als Hitzeschutz
Extreme Hitze zeigt besonders deutlich, wie eng Stadtgestaltung und Gesundheit zusammenhängen. Versiegelte Flächen und dichte Bebauung speichern Wärme, während Bäume, Schatten und Wasserflächen für Abkühlung sorgen. Besonders gefährdet sind Menschen, die sich aufgrund ihres Alters, ihrer Gesundheit oder ihrer sozialen Situation nur eingeschränkt vor Hitze schützen können. Doch gesundheitliche Stadtplanung geht über Hitzeschutz hinaus. Auch sichere Wege zu Fuß und mit dem Fahrrad, zugängliche Grünflächen, Luftqualität und die Aufenthaltsqualität öffentlicher Räume beeinflussen die Gesundheit. U-CARE betrachtet deshalb Klima, gebaute Umwelt, Ökologie und soziale Bedingungen gemeinsam und versteht Gesundheitsschutz als Querschnittsaufgabe der Stadtentwicklung.
Vier Städte, vier Klimazonen
Drei Jahre lang untersuchte das U-CARE-Team Stadträume in Göteborg, Berlin, Florenz und Nikosia. Die Forschenden gingen der Frage nach, welche Eigenschaften von Quartieren die Gesundheit fördern – und wo durch klimatische und städtebauliche Bedingungen besondere Belastungen entstehen. Dafür wurden unter anderem Straßenzüge räumlich erfasst, Oberflächentemperaturen gemessen, Bewohner*innen befragt und Gesundheitsdaten ausgewertet. Untersucht wurden urbane Hitze, Fußgängerfreundlichkeit, Regenwasserversickerung, der Verlust von Biotopen sowie die Bedürfnisse der Menschen vor Ort. Auf diese Weise lassen sich räumliche Ungleichheiten und besonders belastete Bereiche identifizieren.

Die vier Fallstudien stehen für unterschiedliche klimatische Bedingungen: Göteborg für ein ozeanisches Klima, Berlin für ein kontinental-humides, Florenz für ein mediterranes und Nikosia für ein semi-arides Klima. In Berlin untersuchte das Projekt im Bezirk Pankow das Bötzowviertel. Der Vergleich zeigt, welche Herausforderungen sich über verschiedene Klimazonen hinweg ähneln – und wo unterschiedliche Bedingungen jeweils eigene Lösungen erfordern.
Die Ergebnisse der Fallstudien fließen in die digitale U-CARE-Plattform ein
Sie führt unterschiedliche Daten zu Umwelt, Klima und Gesundheit zusammen und macht Belastungen in Stadtquartieren vergleichbar. Dadurch können räumliche Probleme systematisch bewertet und Handlungsbedarfe priorisiert werden. Die Plattform ist so angelegt, dass sich die entwickelte Methodik auch auf andere Standorte übertragen lässt. Für Stadtplanung und kommunale Praxis bietet sie damit ein Werkzeug, um unterschiedliche Gesundheits- und Umweltfaktoren gemeinsam zu betrachten und Maßnahmen gezielter dort anzusetzen, wo der größte Handlungsbedarf besteht. Auf der Urban Health Conference können die Teilnehmenden die entwickelten Werkzeuge kennenlernen, Methoden diskutieren und erproben, wie sich die Erkenntnisse auf konkrete Planungsfragen übertragen lassen.
Forschung für die Stadtplanung von morgen
Ein weiterer Schwerpunkt von U-CARE liegt auf der Hochschullehre. Aus den Forschungsergebnissen sind Lehrmodule mit Seminaren, Vorträgen und didaktischen Materialien entstanden. Sie vermitteln Student*innen und künftigen Fachkräften, wie sich Erkenntnisse zu Klima, Gesundheit und räumlicher Ungleichheit in planerische Entscheidungen einbeziehen lassen. Künftige Architekt*innen, Stadtplaner*innen und Fachkräfte des öffentlichen Gesundheitswesens sollen so lernen, Stadträume nicht allein funktional oder gestalterisch, sondern auch aus der Perspektive der Gesundheit zu betrachten.
