Bereits zum zehnten Mal organisierte die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) https://www.hswt.de/ gemeinsam mit der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL) https://www.anl.bayern.de/ diese praxisnahe Fachtagung, die sich jedes Jahr zu wechselnden Themen an Interessierte aus der Naturschutzpraxis richtet.
Über 260 Teilnehmende aus Wissenschaft, Verwaltung, Planungsbüros, Naturschutzvereinen und Verbänden fanden sich in Präsenz und online zu einem regen Austausch zusammen. Die Moderation übernahmen Prof. Dr. Christoph Moning, Vizepräsident Forschung und Wissenstransfer an der HSWT https://www.hswt.de/christoph-moning, sowie Sandra Fohlmeister, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Fachbereichs Angewandte Forschung und Wissenstransfer an der ANL https://www.anl.bayern.de/anl/ansprechpartner/index.htm.
Dieses Jahr im Fokus
Das Thema „Naturschutzorientierte Beweidung“ war eingebunden in das „Internationale Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums“ der UN sowie in das gleichlautende Schwerpunktjahr der ANL. Ziel der Tagung war vor allem, das Bewusstsein für die weltweite Bedeutung von Weidetieren und nachhaltiger Weidewirtschaft zu stärken. Neben HSWT-Referent:innen präsentierten Forschungseinrichtungen des Geschäftsbereiches des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz Forschungsergebnisse zu naturschutzorientierter Beweidung und Weidemanagement in verschiedensten Lebensräumen, ergänzt durch externe Fachleute.
Wichtige Erkenntnisse und Fazit
Die naturschutzorientierte Beweidung sollte nicht als pauschales Allheilmittel propagiert werden. Das dennoch hohe Potenzial für den Naturschutz kann am besten mit Fachkenntnis und Differenzierung ausgeschöpft werden. Weidetierart, Weideführung, Umweltbedingungen und anthropogene Modifikatoren müssen genau und fallspezifisch bedacht werden. Auch die prominente Gleichung „Mehr Weide = mehr Tierwohl“ hält einer Betrachtung aus Sicht des Tierwohls nicht stand.
Eine Vertiefung ist bei den Themen „Antiparasitika“, Nutzerperspektive und Auswirkungen des Klimawandels angebracht, die weitere zahlreiche Fragestellungen aufwerfen. Ebenso braucht es mehr Aufmerksamkeit für Medienpräsenz, Kooperation, Policy-Mitgestaltung, Experimentierfreudigkeit auch auf kleinen Flächen, mehr Forschung mit längeren Zeitreihen sowie Akteure, die das alles mit Durchhaltevermögen umsetzen.
Die Abschlussdiskussion brachte zahlreiche Impulse hervor: Gefordert wurden unter anderem weniger Bürokratie, eine bessere Vermittlung zwischen Behörden und Aktiven sowie eine schnellere Verfügbarkeit von Forschungsergebnissen für die Praxis. Auch die naturschutzorientierte Hirtenausbildung und stärkere Anreize für Beweidung standen im Fokus. Einigkeit bestand darin, dass naturschutzgerechte Beweidung auch wirtschaftlich attraktiv sein muss, etwa durch Förderungen und innovative Weideprodukte wie etwa Dungpellets.
Das eingebrachte Thema „Waldbrandvermeidung durch Beweidung“ war der ideale Brückenschlag zur Tagung im September 2027 mit dem geplanten Thema „Störungsökologie durch Feuer und Wasser“.
