Freiburger Veranstaltungsreihe „Das andere Russland“ wird vorgesetzt

Ukrainische Flagge Pixabay/jorono 1037 Bilder

Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine dauert an, die vom russischen Präsidenten Wladimir Putin angeordnete Teilmobilisierung lässt sogar eine weitere Eskalation befürchten. Zugleich und immer stärker erheben russische Intellektuelle und Künstlern ihre Stimme gegen Putins Regime und diesen Krieg. Viele von ihnen leben inzwischen außerhalb Russlands. Das Zwetajewa-Zentrum für russische Kultur an der Universität Freiburg hat im Frühjahr 2022 die Veranstaltungsreihe „Das andere Russland“ ins Leben gerufen, um einige dieser Stimmen zu Gehör zu bringen. Der erste Teil der Reihe erbrachte knapp 6.000 Euro an Spenden für die Ukrainehilfe des Universitätsklinikums Freiburg. Die Reihe fand nicht nur in der Freiburger Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit, sondern auch unter russischen Intellektuellen und Kunstschaffenden. Der weltbekannte Schriftsteller Viktor Jerofejew regte für ihre Fortsetzung den Titel „Zeichen der Zukunft“ an. Unter diesem Motto finden nun wieder Lesungen und Vorträge, Konzerte und Filme in Freiburg statt.

Die Reihe „Das andere Russland. Zeichen der Zukunft“ läuft vom 13. Oktober 2022 bis zum 15. Februar 2023. Veranstaltungspartner sind das DFG-geförderte Graduiertenkolleg 1956 „Kulturtransfer und ‚kulturelle Identität’“ der Universität Freiburg, das zu einem großen Teil auch die Finanzierung übernimmt, sowie Kulturamt der Stadt Freiburg, Kommunales Kino, Theater Freiburg, Kultur im Freiburger Hof, Stadtbibliothek Freiburg, Kulturaggregat e.V., Literaturhaus Freiburg, Deutsche Gesellschaft für Osteuropa-Kunde, West-Ost-Gesellschaft e.V., Urbangespräche, Centre Culturel Français Freiburg und die Universität Freiburg.

Die einzelnen Veranstaltungen

Den Auftakt macht am Donnerstag, 13. Oktober 2022, ab 20 Uhr im Kulturaggregat (Hildastraße 5) der Street-Art-Künstler Anton Polsky, auch bekannt unter seinem Künstlernamen MAKE. Er verarbeitet in seinen Werken vor allem politische Themen und ist Mitgründer der Plattform „Partizaning“, einer russischen Street-Art-Vereinigung, die seit 2011 mit ihren öffentlichen Interventionen immer wieder für Aufsehen sorgt. Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.

Prof. Dr. Elisabeth Cheauré spricht am Montag, 17. Oktober 2022, ab 19.30 Uhr im Gemeindehaus St. Caecilia – Urbansaal (Hauptstraße 42) über das problematische Verhältnis von Kirche und Staat in Russland. Die Orthodoxe Kirche rechtfertigt Russlands Krieg weitgehend, vor allem der „Patriarch von Moskau und der ganzen Rus“ Kirill I. schockiert mit entsprechenden Aussagen und Predigten. Prof. Dr. Elisabeth Cheauré ist Professorin für Slavische Philologie und Gender Studies an der Universität Freiburg und Vorsitzende des Zwetajewa-Zentrums. Sie hat die Reihe „Das andere Russland“ gemeinsam mit Margarita Augustin gestaltet.

Ein Benefizkonzert mit Lesung unter dem Titel „Stimmen aus dem Exil. Marina Zwetajewa zu Ehren“ findet statt am Samstag, 22. Oktober 2022 ab 19.30 Uhr im Humboldsaal (Humboldtstraße 2). Mit der Veranstaltung wird zugleich des 130. Geburtstags von Marina Zwetajewa, einer der bedeutendsten russischen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts und Namensgeberin des Zwetajewa-Zentrums an der Universität Freiburg, gedacht. Die Schriftstellerin und Übersetzerin Ilma Rakusa liest aus den Briefen (1930 bis 1939) von Zwetajewa, die 1917 ins Ausland geflüchtet war. Ilma Rakusa wird die Verzweiflung der Dichterin in Erinnerung rufen, der Musiker Sergej Tchirkov wird die Lesung mit seinem Akkordeon musikalisch mit Werken von Orland Gibbons, Sofia Gabaidulina, Eva-Maria Houben, Igor Stravinsky und Francisco Corthey begleiten. Die Lesung findet in deutscher Sprache statt.

Aus ihrem aktuellen Roman „Wo vielleicht das Leben wartet“ liest Gusel Jachina am Donnerstag, 3. November 2022 ab 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek Freiburg. Jachina ist eine russische Autorin tatarischer Abstammung, sie veröffentlichte bereits die in zahlreiche Sprachen übersetzten Romanen „Suleika öffnet die Augen“ und „Wolgakinder“. Unter anderem gewann sie 2015 den wichtigsten russischen Literaturpreis „Das große Buch“ und erhielt 2020 den Förderpreis des Georg-Dehio-Buchpreises. Die Lesung findet in deutscher Sprache statt.

Am Dienstag, 8. November 2022, ab 18.15 Uhr in Hörsaal 1015 der Universität Freiburg (Kollegiengebäude I) liest Boris Akunin und diskutiert mit der Slavistin Prof. Dr. Elisabeth Cheauré und dem Osteuropa-Historiker Prof. Dr. Dietmar Neutatz von der Universität Freiburg über das Verhältnis von Geschichte, Gegenwart und Literatur. Akunin ist nicht nur einer der bedeutendsten russischen Kriminalschriftsteller der Gegenwart, sondern auch Japanologe, Literaturwissenschaftler und Übersetzer. Daneben ist er für sein politisches Engagement bekannt und gilt er unter anderem als Wortführer der russischen „Bewegung für faire Wahlen“. Nach politischen Anfeindungen verließ er Russland vor mehr als fünf Jahren. Er wird bei der Veranstaltung digital zugeschaltet.

In weiteren Veranstaltungen lesen und diskutieren unter anderem der Schriftsteller Viktor Jerofejew (18. November 2022) und die Aktivistin und Performancekünstlerin Maria Alechina von der regierungskritischen Gruppierung „Pussy Riot“ (5. Dezember 2022). Im Programm folgen zahlreiche Filme und weitere Lesungen und Konzerte, ein Literarischer Salon und eine Theaterperformance.

Flyer mit dem vollständigen Programm zur Reihe „Das andere Russland. Zeichen der Zukunft“ unter:
https://www.zwetajewa-zentrum.de/wp-content/uploads/2022/10/FINAL-Flyer_6.10.22….

Ein Teil der Veranstaltungen wird live gestreamt, Links dazu unter
https://www.zwetajewa-zentrum.de

Bei ausgewählten Veranstaltungen kommen die Einnahmen aus Eintrittsgeldern und Spenden der Nothilfe für die Ukraine des Universitätsklinikums Freiburg zugute.