Eine neue Veröffentlichung von Carl Folke, dem Gründer des Stockholm Resilience Centre (SRC) an der Stockholm University Zentrums, und seinen Kollegen untersucht, wie sich das aufkommende Konzept der Regeneration mit dem Resilienzdenken vergleichen lässt. Könnte die Verbindung beider Konzepte der Schlüssel zur Gestaltung einer nachhaltigeren Zukunft sein? In den letzten Jahren ist „regenerativ” zu einem Schlagwort im Bereich der Nachhaltigkeit geworden, das in allen Bereichen von der regenerativen Landwirtschaft bis hin zu regenerativen Geschäftsmodellen auftaucht. Es bezieht sich auf Ansätze, die Systeme wiederherstellen, erneuern oder verbessern, anstatt nur Schäden zu reduzieren. Beispiele hierfür sind die Wiederherstellung von Böden, die Erhöhung der Artenvielfalt und die Verbesserung des sozialen Wohlergehens.
Das Stockholm Resilience Centre (SRC) an der Stockholm University gilt als eines der weltweit führenden Forschungszentren für Nachhaltigkeit, Resilienz und die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt. Seit seiner Gründung widmet sich das Institut der Frage, wie Gesellschaften und Ökosysteme widerstandsfähig gegenüber Umweltveränderungen bleiben und gleichzeitig nachhaltig genutzt werden können. Ein zentrales Forschungsfeld des SRC sind die sogenannten planetaren Grenzen. Dieses Konzept definiert globale Umweltgrenzen, innerhalb derer die Menschheit sicher agieren kann, ohne die Stabilität der Erde zu gefährden. Das Zentrum untersucht, wie soziale und ökologische Systeme miteinander verbunden sind und welche Maßnahmen notwendig sind, um die Resilienz dieser Systeme zu stärken.
Das Konzept von Carl Folke gewinnt auch in Forschungsbereichen wie Soziologie, Wirtschaft und Management an Bedeutung. Innerhalb der Nachhaltigkeitswissenschaft ist es jedoch nicht so prominent vertreten, zumindest nicht im Vergleich zur Resilienz, wie aus einem neuen Artikel in Ambio hervorgeht, der von Carl Folke und Forschern aus Deutschland und Spanien verfasst wurde.
„Während das Resilienzdenken seit Jahrzehnten ein zentraler Grundsatz der Nachhaltigkeitswissenschaft ist, hat sich parallel dazu eine zweite Literatur zum Konzept der ‚Regeneration‘ entwickelt, die jedoch bislang weniger Einfluss hat“, schreiben sie.
Die Autoren argumentieren, dass sich die beiden Konzepte hervorragend ergänzen: Während sich das Resilienzdenken traditionell darauf konzentriert hat, was Systeme in schwierigen Zeiten überstehen lässt, geht es bei der regenerativen Denkweise eher darum, von Natur aus gesunde Systeme zu schaffen, die sich kontinuierlich erneuern können.
„Der Schwerpunkt [der Regeneration] liegt weniger darauf, den Zusammenbruch eines hochgeschätzten Systems zu verhindern, sondern vielmehr darauf, etwas Neues zu schaffen, das sich von Anfang an durch eine gesunde Dynamik auszeichnet“, erklären sie.
Einige Wissenschaftler haben sogar vorgeschlagen, dass Regeneration „die neue Nachhaltigkeit“ werden könnte, mit einem stärkeren Fokus auf positiven Ergebnissen, Handlungsfähigkeit und mutualistischen Beziehungen zwischen Mensch und Natur. Auf der Grundlage von Erkenntnissen aus beiden Forschungsbereichen skizzieren die Autoren sieben Prinzipien, die als Leitlinien für eine proaktive Governance für eine resiliente und regenerative Zukunft dienen können:
- Die planetarischen Grenzen respektieren
- Nicht nur den Status quo erhalten, sondern verbessern
- Dynamiken erkennen und verstärken, die wünschenswerte stabile Zustände aufrechterhalten oder wiederherstellen
- Mit laufenden Veränderungen und skalierungsübergreifenden Interaktionen arbeiten
- Regenerative Dynamiken maximieren und degenerative minimieren
- Mutualistische Interaktionen zwischen menschlichen und übermenschlichen Einheiten (Menschen und Natur) fördern
- Positive domänenübergreifende Interaktionen identifizieren und verbessern
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Resilienz und Regeneration zusammen die Grundlage für eine neue Vision von florierenden Gesellschaften und Ökosystemen bilden und den Wandel hin zur Nachhaltigkeit leiten können.
