Saubereres Wasser in der Aller, im Grundwasser und in landwirtschaftlich genutzten Gebieten – so lautet das Ziel eines gemeinsamen Projekts der Wolfsburger Entwässerungsbetriebe und der Fraunhofer-Institute UMSICHT und ISI. Erreicht werden soll es mithilfe einer vierten Reinigungsstufe in der Kläranlage Wolfsburg-Stahlberg. Erstmalig wird dabei die Kombination von Membranfiltration mit einer regenerierbaren Adsorberharzstufe und Aktivkohle erprobt. Spurenstoffe sollen dadurch künftig deutlich effektiver und effizienter eliminiert werden. Begleitend reduzieren Maßnahmen am Klini-kum Wolfsburg die Belastungen durch Röntgenkontrastmittel.
Die Kläranlage Wolfsburg-Stahlberg reinigt das Abwasser der Stadt Wolfsburg und der umliegenden Gemeinden. Es wird anschließend in die Aller – eines der größten niedersächsischen Fließgewässer – eingeleitet und von dort u. a. für die landwirtschaftlich Feldberegnung genutzt. In der Aller wurde jedoch eine Belastung mit anthropogenen Spurenstoffen wie beispielsweise Reinigungsmittel oder Arzneimittelrückstände festgestellt. Und auch im Grundwasser unter den landwirtschaftlichen Flächen, mit dem ebenfalls bewässert wird, sind derartige Rückstände nachweisbar.
Wolfsburg wird Modellregion zur Abwasserreinigung
Derzeit wird in der Kläranlage zur Entfernung von Spurenstoffen die Aktivkohleadsorption als bewährtes Verfahren eingesetzt. Durch Produktion, Transport und Verbrauch hat dieses Verfahren jedoch sowohl ökonomische als auch ökologische Defizite. Eine Lösung zur Ressourcenoptimierung und Leistungssteigerung ist die Erweiterung um eine vierte Reinigungsstufe, die in der EU, gestaffelt nach Größe, bis spätestens 2045 verpflichtend wird. Die Wolfsburger Entwässerungsbetriebe (WEB), Betreiber der Kläranlage, arbeiten dazu mit den Fraunhofer-Instituten UMSICHT und ISI zusammen. Ein weiterer Partner ist das Klinikum Wolfsburg.
Kern des Vorhabens ist die Kombination vorhandener Technologie mit neuentwickelten Ansätzen. Eine Membranfiltration reinigt zunächst den Abwasserstrom von Feststoffen, Huminsäuren und Bakterien. »Dadurch können die Spurenstoffe in den nachfolgenden Behandlungsschritten effizient erfasst werden«, erklärt Dr.-Ing. Lukas Rüller vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT. Die Aktivkohlestufe wird mit einer neuen Adsorberharzstufe ergänzt, die direkt vor Ort regeneriert werden kann. »So erhöhen wir zum einen die Standzeit der Aktivkohle und minimieren deren Verbrauch. Zum anderen ist eine regenerative Kreislaufführung möglich, was wiederum die Betriebskosten und den CO2-Fußabdruckt reduziert.« Ein Teilstrom des Abwassers wird gezielt durch die Adsorberharzstufe geführt, um zusätzliche Eliminationsleistungen zu erzielen, während der Hauptstrom weiterhin durch granulierte Aktivkohle (GAK) behandelt wird.
Zusätzlich zu den Reinigungsstufen auf der Kläranlage trägt das Klinikum Wolfsburg mit vorgeschalteten Maßnahmen zur Reduktion von Röntgenkontrastmitteln im Abwasser bei. Dazu gehören neue Urinbeutel-Lösungen und separierte Toiletten. Die Belastung mit Spurenstoffen sinkt dadurch schon vor der eigentliche Abwasserbehandlung.
