Homeoffice als möglicher Schlüsselfaktor in der Energiekrise

Symbolbild Homeoffice Quelle: Annie Spratt Copyright: Annie Spratt/unsplash

Die Konstanzer Homeoffice-Studie zeigt: Der vielfach gewünschte zusätzliche Tag Homeoffice würde rund 19 Prozent des täglichen Kraftstoffverbrauchs in Deutschland reduzieren

Die 19. Befragungswelle der Konstanzer Homeoffice-Studie zeigt: Wenn alle Autopendler*innen nur einen Tag mehr pro Woche im Homeoffice arbeiten würden, könnten in Deutschland täglich rund 32 Millionen Liter Kraftstoff eingespart werden – knapp 19 Prozent des täglichen Verbrauchs. Die gute Nachricht: Die nötige Bereitschaft ist vorhanden, denn die Beschäftigten wünschen sich im Schnitt genau diesen einen Homeoffice-Tag mehr. Zugleich zeigen die Ergebnisse, dass Organisationen, die hybride Arbeit jetzt strukturiert gestalten, Engagement und Produktivität steigern. Das sind die zentralen Befunde der neuen Konstanzer Homeoffice-Studie von Florian Kunze und Kilian Hampel von der Universität Konstanz.

64 Prozent der Beschäftigten, deren Arbeit grundsätzlich im Homeoffice möglich ist, pendeln derzeit mit dem Auto zur Arbeit. Gleichzeitig wünschen sie sich im Durchschnitt fast einen Homeoffice-Tag mehr pro Woche. Genau dieser eine zusätzliche Tag würde einen bedeutenden Unterschied machen: Wenn Millionen Beschäftigte an diesem Tag nicht ins Büro fahren würden, entfielen entsprechend viele Pendelkilometer – und damit ein erheblicher Teil des täglichen Kraftstoffverbrauchs.

Laut Berechnungen der Konstanzer Homeoffice-Studie beträgt das Einsparpotenzial bei einem zusätzlichen Tag Homeoffice bereits 32 Millionen Liter Kraftstoff, was 19 Prozent des täglichen Kraftstoffverbrauchs in Deutschland entspricht. „Wir haben hier ein seltenes Zusammentreffen von individuellen Wünschen, gesellschaftlichem Nutzen und betriebswirtschaftlichem Interesse“, sagt Studienleiter Florian Kunze, Professor für Organizational Behavior und Mitglied des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“ an der Universität Konstanz.

„Aktuelle Studien zeigen, dass etwa drei Tage mobiles Arbeiten optimal für die objektive Produktivität in vielen Tätigkeiten wären – da gibt es also noch Optimierungspotenzial.“

Homeoffice könnte täglich mehr als 32 Millionen Liter Kraftstoff sparen

Insgesamt halten 62 Prozent der Befragten mehr Homeoffice wegen der gestiegenen Energiepreise für sinnvoll – dennoch haben bislang nur 20 Prozent ihr Verhalten aufgrund der steigenden Kosten angepasst. Der Grund liegt hierbei nicht in fehlender Motivation, sondern in strukturellen Hürden. Gleichzeitig gibt ein Drittel (33 Prozent) der Beschäftigten an, häufig ins Büro zu kommen, ohne dass dies inhaltlich notwendig wäre – ein Fünftel (20 Prozent) teilt sogar den Eindruck, dass viele Mitarbeitende im Büro ihre Zeit ohnehin eher absitzen.

„Ein sinnvoll gestalteter dritter Homeoffice-Tag wäre keine Abkehr von Zusammenarbeit, sondern ein Gewinn an Effizienz – für Beschäftigte, Unternehmen und das Energiesystem“, erklärt Studienautor Kilian Hampel, Postdoc und Senior Research Fellow am Future of Work Lab der Universität Konstanz.

Einstellung der Führungskräfte im Wandel – Präsenzpflicht steigt nicht an

Die Skepsis von Führungskräften gegenüber mobilem Arbeiten scheint in den vergangenen Jahren deutlich gesunken zu sein: Der Anteil, der eine stärkere Präsenzpflicht befürwortet, fällt von 33 (2024) auf 22 Prozent, Kommunikationsbedenken halbierten sich seit 2024 von 43 auf 23 Prozent. Parallel dazu bleibt die Präsenzpflicht, im Vergleich zu den Vorjahren, auf niedrigem Niveau: Nur 21 Prozent berichten von verschärften Anwesenheitsregeln und die Daten bestätigen erneut: Wer zur Präsenz verpflichtet wird, ist deutlich erschöpfter, ohne einen messbaren Produktivitätsgewinn. „Die Führungskultur in Deutschland verändert sich sichtbar“, betont Kilian Hampel.

„Führungskräfte, die hybride Arbeit professionell gestalten, werden selbst zu Impulsgeber*innen einer modernen Arbeitskultur. Organisationen, die krampfhaft versuchen, ihre Mitarbeitenden durch Zwang ins Büro zurückzuholen, müssen sich langfristig Gedanken um ihre Wettbewerbsfähigkeit machen.“

Klare Homeoffice-Spielregeln zahlen sich aus

In der 19. Befragungswelle der Konstanzer Homeoffice-Studie wurde auch erstmals systematisch untersucht, ob Unternehmen hybride Arbeit durch klare Regeln und Leitlinien strukturieren. Das Ergebnis: Bei einem Drittel bis zur Hälfte der Unternehmen fehlen solche Strukturen noch. Dabei sind die Vorteile messbar: Beschäftigte in Unternehmen mit guten Regelungen für mobile Arbeit erfahren mehr kollegiale Unterstützung, berichten von größerem Engagement und höherer Produktivität.

„Hybrides Arbeiten funktioniert nicht von selbst. Es braucht klare Regeln und bewusst gestaltete Präsenzzeiten. Unternehmen, die darin jetzt investieren, reduzieren nicht nur die Energiekosten für die Beschäftigten – sie stärken auch den Zusammenhalt und die Leistungsfähigkeit ihrer Teams“, fasst Florian Kunze zusammen.