Die Dürre auf den Feldern beginnt längst nicht erst dort, wo die Erde aufreißt. Sie beginnt früher: in Böden, die ihre Feuchtigkeit verloren haben, in Pflanzen, deren Wachstumsphasen mit Hitze und ausbleibendem Niederschlag zusammentreffen, und schließlich in den Bilanzen landwirtschaftlicher Betriebe. Was in diesem Sommer in Deutschland und weiten Teilen Europas sichtbar wird, ist deshalb mehr als die schlechte Bilanz einer einzelnen Erntesaison. Es ist ein Vorgeschmack auf eine Landwirtschaft, die sich an ein neues Klima anpassen muss – und auf einen politischen Konflikt, der weit über die Frage hinausgeht, wie viel Getreide am Ende des Jahres in den Silos liegt.
Nach den vorliegenden Schätzungen des Deutschen Bauernverbandes liegt die deutsche Getreideernte rund sieben Prozent unter dem Vorjahreswert. Betroffen sind jedoch keineswegs nur Weizen, Gerste oder andere Getreidearten. Auch Herbstkulturen wie Mais und Zuckerrüben leiden unter der Trockenheit, ebenso das Grünland. Wo das Gras nicht ausreichend nachwächst, fallen Schnitte aus. Für viehhaltende Betriebe wird aus einem meteorologischen Problem damit rasch ein wirtschaftliches: Fehlt das Futter auf der eigenen Fläche, muss es zugekauft werden – sofern es überhaupt ausreichend verfügbar ist und zu bezahlbaren Preisen beschafft werden kann.
Die Dürre verschärft die Lage in der Landwirtschaft
Zugleich treffen die Ertragseinbußen auf ohnehin angespannte wirtschaftliche Verhältnisse. Niedrige Erzeugerpreise stehen hohen Kosten für Energie, Betriebsmittel und Diesel gegenüber. Bauernpräsident Joachim Rukwied warnt daher vor Liquiditätsproblemen in den Betrieben. Die Dürre trifft die Landwirtschaft nicht in einem ökonomischen Vakuum. Sie verschärft eine Lage, in der viele Unternehmen nur begrenzte Reserven besitzen.
Der Blick über die deutschen Grenzen zeigt, dass es sich nicht um ein regionales Wetterphänomen handelt. In Frankreich warnten Gemüseerzeuger vor teilweise dramatischen Ausfällen bei Feldgemüse; regional sollen die Verluste bis zu 50 Prozent erreichen, obwohl bewässert wurde. Das ist ein besonders beunruhigendes Signal. Denn Bewässerung galt bislang als eine der wichtigsten Antworten auf Trockenheit. Wenn aber selbst künstlich zugeführtes Wasser nicht mehr ausreicht, weil Hitze und Verdunstung die Pflanzen zusätzlich belasten, stößt auch dieses Anpassungsmodell an Grenzen.
Wasser wird zu einem der entscheidenden Produktionsfaktoren
In Spanien rechnet das Landwirtschaftsministerium mit einem deutlichen Rückgang der Getreideernte – von 24 Millionen Tonnen im Vorjahr auf etwa 18,5 Millionen Tonnen. Österreichische Betriebe erwarten nach Umfragen im Durchschnitt ebenfalls erhebliche Einbußen, besonders im trockeneren Osten und Süden sowie auf dem Grünland. Europa erlebt damit eine bemerkenswerte Gleichzeitigkeit: In verschiedenen Agrarräumen, mit unterschiedlichen Böden, Kulturen und Bewirtschaftungssystemen, wird Wasser zu einem der entscheidenden Produktionsfaktoren.
Compound Events: Wenn Alles zusammenkommt
Das eigentlich Neue an dieser Entwicklung ist nicht, dass es Dürren gibt. Trockenjahre gehören zur Landwirtschaft, seit Menschen Felder bestellen. Neu ist vielmehr die wachsende Wahrscheinlichkeit, dass mehrere Belastungen gleichzeitig auftreten. Die Forschung spricht von sogenannten „Compound Events“: Hitze und Trockenheit treffen in kritischen Phasen der Pflanzenentwicklung zusammen. Eine Kultur kann eine kurze Hitzeperiode möglicherweise verkraften. Sie kann auch eine begrenzte Zeit mit wenig Regen überstehen. Treffen jedoch hohe Temperaturen, ausgetrocknete Böden und fehlender Niederschlag während der Blüte oder Kornbildung zusammen, potenzieren sich die Schäden. Genau in dieser Kombination liegt eines der großen Risiken des Klimawandels für die Landwirtschaft.
Die Simmen der Forschung
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung untersucht diese Zusammenhänge mit Klima- und Agrarmodellen. Die zentrale Erkenntnis ist ebenso einfach wie folgenreich: Ohne Anpassung steigt mit fortschreitender Erwärmung das Risiko sinkender Erträge bei zentralen Kulturen wie Mais, Weizen und Soja.
Das Thünen-Institut verweist zugleich auf die großen regionalen Unterschiede innerhalb Deutschlands. Leichte und sandige Böden können Niederschläge wesentlich schlechter speichern als tiefgründige Lehmböden. Während die Landwirtschaft auf manchen Standorten noch über Wasserreserven im Unterboden verfügt, geraten andere Flächen schon nach wenigen trockenen Wochen unter erheblichen Stress. Der Klimawandel macht die Landwirtschaft deshalb nicht überall gleichermaßen trocken. Er verstärkt die Unterschiede zwischen Regionen, Böden und Betriebsformen.
Hinzu kommt, dass die moderne Landwirtschaft heute nicht mehr allein auf Erfahrungen vom Feld angewiesen ist. Das Joint Research Centre der Europäischen Kommission beobachtet mit Satelliten-, Vegetations- und Bodenfeuchtedaten die Entwicklung der europäischen Landwirtschaft und versucht, drohende Ertragseinbußen frühzeitig zu erfassen. Solche Systeme können die Dürre nicht verhindern. Sie verändern aber den Zeithorizont. Aus einer bösen Überraschung soll möglichst früh ein kalkulierbares Risiko werden.
Der Weltklimarat IPCC wiederum hat den größeren Zusammenhang beschrieben: Mit jedem weiteren Schritt der Erwärmung steigen die Risiken durch Hitze und andere Extremereignisse für die Nahrungsmittelproduktion. Die Stabilität der Versorgung wird damit zunehmend zu einer Frage der Widerstandsfähigkeit von Agrarsystemen.
Schnelle Anpassung ist gefragt
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob sich die Landwirtschaft anpassen muss. Sie lautet, wie schnell dies geschehen kann – und wer die Kosten trägt. Eine Antwort liegt buchstäblich unter den Füßen der Landwirte: im Boden. Jahrzehntelang war Wasser in vielen Teilen Europas vor allem ein Überschussproblem. Drainagen sollten nasse Flächen entwässern, Gräben Wasser möglichst rasch ableiten.
Das Paradigma verändert sich
In einer Landwirtschaft der zunehmenden Wetterextreme wird nicht nur der Umgang mit zu wenig Wasser wichtig, sondern auch die Fähigkeit, Wasserüberschüsse aus Starkregen für spätere Trockenperioden in der Landschaft zu halten. Der Boden soll wieder stärker zum Speicher werden.
Dazu gehören reduzierte Bodenbearbeitung, Mulchsaat und Zwischenfrüchte. Wo die Bodenstruktur erhalten bleibt und die Oberfläche geschützt ist, kann Niederschlag besser versickern und die Verdunstung sinken. Humusreiche Böden speichern zusätzlich mehr Wasser. Regelbare Drainagesysteme können den jahrzehntelang verfolgten Grundsatz der schnellen Entwässerung teilweise umkehren: Wasser wird nicht mehr automatisch abgeführt, sondern dort zurückgehalten, wo es in späteren Trockenphasen gebraucht werden könnte. Versickerungsmulden und dezentrale Rückhaltebecken können Starkregen aufnehmen.
„Schwamm-Landwirtschaft“ als neues Leitbild
Agroforstsysteme mit Gehölzstreifen verändern wiederum das Mikroklima, bremsen Wind und reduzieren die Austrocknung der Flächen. Das Leitbild dahinter lässt sich als „Schwamm-Landwirtschaft“ beschreiben: Die Landschaft soll Wasser nicht möglichst schnell loswerden, sondern mit den extremen Wechseln zwischen Zuviel und Zuwenig umgehen können.
Wo Bewässerung unvermeidlich wird, entscheidet ihre Effizienz. Präzise Tröpfchenbewässerung bringt das Wasser unmittelbar in die Nähe der Wurzeln und reduziert Verluste durch Verdunstung. Bodenfeuchtesensoren und satellitengestützte Systeme können erkennen, welcher Teil eines Feldes tatsächlich Wasser benötigt. Aus der Bewässerung nach Erfahrung wird damit zunehmend eine Bewässerung nach Daten. Das ist technologisch anspruchsvoll und kapitalintensiv. Es zeigt aber auch die Richtung: Wasser wird in einer trockeneren Landwirtschaft nicht länger als selbstverständlich verfügbarer Produktionsfaktor behandelt werden können.
Der Beitrag der Züchtungsforschung
Die zweite große Anpassungslinie führt in die Pflanzen selbst. Züchtung kann Sorten hervorbringen, die schneller und tiefer wurzeln, Wasser effizienter nutzen oder ihre Wachstumsphasen zeitlich verändern. Frühreife Sorten könnten beispielsweise kritische Entwicklungsstadien abschließen, bevor die größte Sommerhitze einsetzt. Besonders politisch umkämpft ist dabei der Einsatz neuer Züchtungsverfahren. Verfahren der Genomeditierung wie CRISPR/Cas könnten die Suche nach Pflanzen mit bestimmten Stressresistenzen erheblich beschleunigen. Die Frage, wie weit solche Technologien eingesetzt werden sollen, ist daher längst mehr als eine wissenschaftliche Debatte. Sie berührt das europäische Vorsorgeprinzip ebenso wie die Forderung der Landwirtschaft, angesichts eines sich rasch verändernden Klimas schneller auf neue Risiken reagieren zu können.
Die Pflanzenwelt der mitteleuropäischen Landwirtschaft könnte sich verändern
Parallel dazu verändert sich möglicherweise auch die Landkarte der Kulturen. Sorghum und andere Hirsearten, Kichererbsen, Linsen, Soja oder Hartweizen gelten als Beispiele für Pflanzen, deren Bedeutung unter wärmeren und teilweise trockeneren Bedingungen zunehmen könnte. Dabei geht es nicht um die einfache Verdrängung des klassischen Weizens durch eine neue Wunderpflanze. Landwirtschaftliche Systeme sind komplexer. Standort, Boden, Niederschlag, Vermarktungsmöglichkeiten und Fruchtfolge entscheiden darüber, was sich tatsächlich anbauen lässt. Aber die Richtung ist erkennbar: Die Pflanzenwelt der mitteleuropäischen Landwirtschaft könnte sich schrittweise verändern. Was heute noch als alternative Kultur gilt, kann morgen Teil einer breiteren Strategie zur Risikostreuung sein.
Und genau hier beginnt die politische Dimension
Dürre ist für einen einzelnen Betrieb zunächst ein Ertragsrisiko. In ihrer Häufung wird sie jedoch zu einem Problem der Agrarpolitik und der Finanzpolitik. Der Deutsche Bauernverband fordert deshalb eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage. Landwirte sollen in guten Jahren Reserven bilden können, ohne sofort steuerlich belastet zu werden, um schlechte Jahre aus eigener Kraft zu überstehen. Auch staatlich unterstützte Mehrgefahrenversicherungen werden als Instrument diskutiert. Dahinter steht ein grundsätzlicher Wandel: Wenn Extremwetter häufiger wird, lässt sich die Landwirtschaft nicht dauerhaft nach dem Muster organisieren, dass außergewöhnliche Schäden nachträglich durch politische Hilfsprogramme ausgeglichen werden. Risikovorsorge müsste stärker Teil des normalen Betriebsmodells werden.
Noch grundsätzlicher ist der Konflikt um Wasser
In einer akuten Mangellage stellt sich plötzlich eine Frage, die in Deutschland lange theoretisch wirkte: Wer hat Vorrang? Die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung? Die Landwirtschaft? Die Industrie? Oder ökologische Mindestmengen für Flüsse, Feuchtgebiete und Wälder? Jede Entscheidung schafft Gewinner und Verlierer. Der Ausbau von Speichern und Bewässerungssystemen wird zudem nicht nur technische, sondern auch rechtliche und gesellschaftliche Konflikte auslösen. Wasser kann nicht unbegrenzt dorthin transportiert werden, wo die Nachfrage am größten ist. Genehmigungen, Eigentumsrechte, ökologische Grenzen und regionale Interessen stehen dem entgegen. Die Dürre verwandelt sich damit in eine Verteilungsfrage.
Auf EU-Ebene dürfte der Druck auf die Gemeinsame Agrarpolitik wachsen
Wenn Klimaanpassung zur Voraussetzung langfristiger Ertragssicherheit wird, geraten klassische Flächenprämien stärker unter Rechtfertigungsdruck. Fördergelder könnten künftig gezielter an Maßnahmen gebunden werden, die Wasser im Boden und in der Landschaft halten, Humus aufbauen oder Agroforst fördern. Auch die Debatte über strategische Vorräte und die Stabilisierung von Agrarmärkten könnte neue Bedeutung gewinnen. Denn ein europäischer Binnenmarkt schützt nur begrenzt, wenn mehrere wichtige Anbauregionen gleichzeitig unter denselben klimatischen Belastungen leiden.
Für die Verbraucher zeigt sich diese Entwicklung zunächst an der Ladenkasse
Allerdings selten als geradlinige Folge einer einzigen schlechten Ernte. Lebensmittelpreise entstehen aus einem komplexen Zusammenspiel von Ernten, Weltmarktpreisen, Energie, Transportkosten, Verarbeitung und Handel. Doch wenn Dürren gleichzeitig das Angebot an Gemüse, Getreide oder Futtermitteln verringern und parallel Logistik- und Energiekosten hoch bleiben, steigt der Preisdruck. Besonders empfindlich können Produkte reagieren, deren Erzeugung stark von Wasser abhängt oder die aus ohnehin trockenen Regionen importiert werden. Gemüse, Olivenöl und tierische Produkte gehören zu den Bereichen, in denen die Verbindung zwischen Klimaereignissen und Preisen für Verbraucher besonders sichtbar werden könnte.
Deutschland befindet sich in dieser Entwicklung in einer Doppelrolle
Das Land ist selbst von zunehmenden Wetterextremen betroffen, verfügt aber zugleich über eine leistungsfähige Forschungslandschaft und eine hochentwickelte Agrartechnik. Einrichtungen wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, das Thünen-Institut und das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung arbeiten an den Grundlagen der Anpassung. Deutsche Unternehmen entwickeln Sensorik, Präzisionstechnik und neue Ansätze für die Pflanzenzüchtung. Deutschland kann damit zum Technologielieferanten einer Landwirtschaft werden, die weltweit mit zunehmender Trockenheit umgehen muss.
Gleichzeitig ist Deutschland von den Folgen ausländischer Ernten abhängig
Obst und Gemüse, Futtermittel und zahlreiche Genussmittel kommen aus Regionen, die teilweise deutlich stärker von Hitze und Wasserknappheit bedroht sind. Der deutsche Wohlstand beruht damit auch auf einem „virtuellen Flächenimport“: Ein Teil des heimischen Konsums beansprucht landwirtschaftliche Flächen und Wasserressourcen außerhalb der eigenen Grenzen. Wenn in Südeuropa, Südamerika oder anderen wichtigen Anbauregionen die Ernten ausfallen, erreicht die Klimakrise den deutschen Verbraucher über Lieferketten und Preise. Die Vorstellung, Deutschland könne sich gegen die globalen Folgen einer veränderten Landwirtschaft abschirmen, ist deshalb eine Illusion.
Besonders deutlich wird dies im Nord-Süd-Gefälle Europas
Im Mittelmeerraum geraten traditionelle Anbausysteme unter dem Druck dauerhafter Trockenheit, sinkender Grundwasservorräte und extremer Hitze zunehmend an ihre Grenzen. Mitteleuropa verfügt im Vergleich vielerorts noch über günstigere Voraussetzungen, ist aber durch eine hohe Schwankungsbreite geprägt. Ein nasses Frühjahr kann eine gute Ausgangslage schaffen, eine anschließende Hitzewelle jedoch innerhalb weniger Wochen große Schäden verursachen. Nordeuropa profitiert teilweise von längeren Vegetationsperioden, bleibt aber keineswegs außerhalb des Problems: Neue Schädlinge und Extremwetterrisiken verändern auch dort die Produktionsbedingungen. Es gibt deshalb keine einfache Landkarte der Gewinner und Verlierer. Es gibt vielmehr eine neue Geographie der Risiken.
Global sind die Folgen noch gravierender
Während wohlhabende Industriestaaten über Versicherungen, Bewässerungstechnik, Forschung und staatliche Hilfen verfügen, kann ein Ernteausfall in ärmeren Regionen unmittelbar Ernährungsunsicherheit auslösen. Wiederholte Missernten verstärken Armut, soziale Instabilität und Migration. Die Frage der Ernährungssicherheit wird damit auch zu einer Frage der Außen- und Sicherheitspolitik. Staaten, die auf Lebensmittelimporte angewiesen sind, müssen ihre Lieferketten gegen klimatische Schocks absichern. Der Zugang zu fruchtbarem Land und Wasser gewinnt geopolitische Bedeutung.
Die Dürre auf deutschen Feldern ist deshalb kein isoliertes Agrarthema. Sie erzählt von einer Veränderung, die sich durch nahezu alle Bereiche der Wirtschaft zieht: von der Bodenbewirtschaftung über die Forschung und die Steuerpolitik bis zu Wasserrechten, Welthandel und sozialer Stabilität. Der Klimawandel stellt die Landwirtschaft vor eine paradoxe Aufgabe. Sie muss einerseits produktiver und widerstandsfähiger werden, andererseits ihre eigenen natürlichen Grundlagen besser schützen. Sie soll mehr Risiken selbst abfedern, braucht dafür aber neue politische und finanzielle Rahmenbedingungen.
Eine neue Landwirtschaft muss enstehen
Die Getreideernte dieses Jahres wird irgendwann statistisch abgeschlossen sein. Die eigentliche Bilanz aber beginnt erst danach. Denn die entscheidende Frage lautet nicht, ob die nächste Dürre kommt. Sie lautet, ob Böden, Betriebe und Politik bis dahin gelernt haben, mit ihr zu rechnen. Die Landwirtschaft der Zukunft wird nicht daran gemessen werden, ob sie das Wetter beherrschen kann. Das kann sie nicht. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, eine Agrarlandschaft zu schaffen, die Starkregen speichern kann, Trockenheit länger übersteht, Risiken finanziell abfedert und neue Pflanzen sowie Technologien schneller in die Praxis bringt. Aus der Krise einer Ernte könnte dann die Modernisierung eines ganzen Systems werden.
Deutschland hätte dafür, als Forschungsstandort, Technologieanbieter, großer Agrarmarkt und einflussreicher Akteur der europäischen Agrarpolitik, besondere Voraussetzungen. Gerade deshalb wäre es ein Fehler, die Dürre lediglich als schlechte Nachricht des Sommers zu behandeln. Sie ist ein wirtschaftliches Warnsignal. Und sie könnte sich als eine der wichtigsten Strukturfragen der kommenden Jahrzehnte erweisen.
