Wie viel Zukunft steckt bereits im Saatgut?

Eröffnung der SeedCon 2026 durch Konferenzinitiator Dr. Ahmed Abdellfatah, Wissenschaftler am ATB Quelle: J. Lietze Copyright: ATB

Diese Leitfrage stand im Zentrum der SeedCon 2026, der weltweit ersten internationalen Konferenz, die sich speziell mit dem Mikrobiom von Saatgut und der mikrobiellen Vererbung bei Pflanzen befasste. Vom 5. bis 7. Mai versammelten sich mehr als 140 Forschende aus 21 Ländern am Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in Potsdam, um über ein sich rasch entwickelndes Forschungsgebiet zu diskutieren, das beginnt, unser Verständnis von Pflanzen, Pflanzenzüchtung und nachhaltiger Landwirtschaft neu zu gestalten.

„Das Verständnis des Saatgutmikrobioms eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die Pflanzenzüchtung und das mikrobiomgestützte Pflanzenmanagement“, sagte Dr. Ahmed Abdelfattah, Initiator der SeedCon und Forscher am ATB. „Wir beginnen gerade erst zu verstehen, wie diese mikrobiellen Gemeinschaften über Generationen hinweg weitergegeben werden und wie sie die Leistungsfähigkeit der Pflanzen beeinflussen.“

Samen verbinden Generationen

Samen sind mehr als passive Träger der Pflanzengenetik. Sie durchlaufen eine Keimruhe, verbinden eine Pflanzengeneration mit der nächsten und beherbergen neben dem Embryo und den Nährstoffreserven auch mikrobielle Gemeinschaften. Diese Mikroorganismen sind in den Lebenszyklus der Pflanze eingebettet und können wichtige Prozesse von der Keimung und dem Wachstum bis hin zur Blüte, Fruchtbildung und Zersetzung im Boden beeinflussen.

Samen als mikrobielles Ökosystem

Im Vergleich zum Wurzelmikrobiom ist das Samenmikrobiom noch stark unerforscht. Während weltweit rund 30.000 Mikrobiom-Datensätze für Pflanzenwurzeln vorliegen, existieren derzeit nur etwa 3.000 für Samen. Diese Lücke unterstreicht den Bedarf an weiterer Forschung zu grundlegenden Fragen: Wie stabil ist das Samenmikrobiom? Welche Mikroorganismen werden zwischen den Generationen weitergegeben? Welche Funktionen erfüllen sie? Und wie kann dieses Wissen verantwortungsvoll genutzt werden?

Ein landwirtschaftlicher Hebel von globaler Relevanz

Fast jede landwirtschaftliche Kulturpflanze beginnt mit einem Samen. Das macht das Samenmikrobiom zu einem vielversprechenden Ansatzpunkt für neue Wege in der Landwirtschaft. Wenn Forschende die mit Samen assoziierten mikrobiellen Gemeinschaften besser verstehen und beeinflussen können, könnte es möglich werden, Pflanzen dabei zu unterstützen, mit Dürre, übermäßigen Niederschlägen, Krankheitsdruck und anderen klimabedingten Herausforderungen fertig zu werden.

Langfristig könnte dieses Wissen zu widerstandsfähigeren Nutzpflanzen beitragen und die Abhängigkeit von Düngemitteln und Pestiziden verringern. Die starke internationale Beteiligung an der SeedCon sowie die Unterstützung durch die DFG und das Interesse von Industriepartnern und Sponsoren unterstreichen die Relevanz des Themas über die Grundlagenforschung hinaus.

Ein Meilenstein für ein aufstrebendes Forschungsgebiet

„Die SeedCon hat gezeigt, dass es ein enormes internationales Interesse und einen klaren Bedarf an Austausch in diesem Bereich gibt“, sagte Dr. Abdelfattah zum Abschluss der Konferenz. „Mit der SeedCon hat das ATB dazu beigetragen, eine internationale Plattform für eine junge, aber schnell wachsende wissenschaftliche Gemeinschaft zu schaffen.“