Während Großstädte auf massive Fernwärmetunnel setzen, etabliert sich im ländlichen Raum und in Wohnquartieren eine effiziente Alternative: Mikrowärmenetze. Ein neues, vom Bundeswirtschaftsministerium mit rund 1,4 Millionen Euro gefördertes Projekt zeigt nun auf, wie diese dezentrale Vernetzung zur Blaupause für die gesamte kommunale Wärmewende werden kann.
Die Zielvorgaben der Bundesregierung sind klar: Bis 2045 soll die Wärmeversorgung in Deutschland klimaneutral sein. Doch während die Diskussion oft von der individuellen Wärmepumpe oder der industriellen Fernwärme dominiert wird, rückt eine dritte Option immer stärker in den Fokus der Stadtplaner – das Mikrowärmenetz. Diese Systeme, die auch als Gebäudenetze im Sinne des Gebäudeenergiegesetzes bezeichnet werden, verbinden typischerweise bis zu 15 Gebäude mit einer gemeinsamen, lokalen Wärmeversorgung.
Der entscheidende Vorteil dieser kleinskaligen Lösungen liegt in ihrer Nähe zum Verbraucher. Die Wärme wird direkt vor Ort erzeugt, was Transportverluste minimiert und die Infrastruktur deutlich schneller realisierbar macht als großflächige Netze. Dennoch wurden solche Projekte bislang oft nur vereinzelt umgesetzt, da fehlende Erfahrungswerte und komplexe rechtliche Rahmenbedingungen viele Akteure abschreckten.
Hier setzt das kürzlich gestartete Verbundprojekt „GemeinsamWaermer“ an
Unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE erarbeiten Experten in den nächsten zwei Jahren übertragbare Konzepte für die Praxis. Am Beispiel der Stadt Kassel und des Werra-Meißner-Kreises wird untersucht, wie die kommunale Wärmeplanung durch Mikrowärmenetze greifbarer und für die Bürger bezahlbar gestaltet werden kann. Die Beteiligung von Partnern wie dem Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität (IKEM) sowie dem House of Energy stellt sicher, dass neben den technischen Aspekten auch die rechtlichen Hemmnisse identifiziert und praxisnahe Betreibermodelle entwickelt werden.
Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Akzeptanzforschung und der zivilgesellschaftlichen Beteiligung. Da Mikrowärmenetze häufig in bestehenden Nachbarschaften oder Dorflagen entstehen, ist die frühzeitige Einbindung der Gebäudeeigentümer entscheidend für den Erfolg. Stadtklimarätin Simone Fedderke aus Kassel betont in diesem Zusammenhang, dass die Quartiersarbeit die Wärmewende für die Menschen vor Ort erst greifbar macht. Durch den intensiven Austausch mit assoziierten Landkreisen wie Waldeck-Frankenberg und Partnern aus der Energiewirtschaft sollen Werkzeuge und Entscheidungshilfen entstehen, die es künftig Kommunen und Energiegenossenschaften bundesweit ermöglichen, eigene Projekte schrittweise und rechtssicher umzusetzen.
Technisch gesehen bieten diese Netze eine enorme Flexibilität
Sie erlauben die Einbindung von Erdwärme über kalte Nahwärmenetze, bei denen das Wasser mit niedrigen Temperaturen zirkuliert und erst im Haus durch kleine Wärmepumpen angehoben wird. Ebenso lässt sich punktuell anfallende Abwärme aus Gewerbebetrieben oder Wärme aus Biomasse und Solarthermie effizient einspeisen. Alwina Kaiser, Projektleiterin am Fraunhofer IEE, zeigt sich überzeugt, dass diese Konzepte ländlichen Räumen und kleinen Quartieren eine wirtschaftliche und klimaneutrale Zukunft garantieren.
Mikrowärmenetze sind somit weit mehr als ein Nischenprodukt
Sie bilden ein entscheidendes Puzzlestück zwischen der Einzellösung und dem Großnetz. Dank Initiativen wie „GemeinsamWaermer“ wandelt sich das Thema von theoretischen Überlegungen hin zu praxistauglichen Lösungen, die das Potenzial haben, die Wärmewende in der Breite massiv zu beschleunigen.
