Hitzewelle durch West- und Mitteleuropa, Rekordtemperaturen in Frankreich und Italien, und auch in Deutschland kletterte im Mai die Thermometeranzeige weit über 30 Grad. Solche Extremwetterperioden könnten wegen des Klimawandels weiter zunehmen – mit großer Gesundheitsgefahr besonders für alte und kranke Menschen. Der Hitzeaktionstag der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit morgen (Donnerstag) beleuchtet Methoden zum Schutz vor derartig hohen Temperaturen. Der Bundesverband Gebäudegrün (BuGG) liefert bereits eine Lösung: kühlende Dach- und Fassadenbegrünung für Altbauten. Das Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 135.000 Euro gefördert.
Viele Städte stehen laut DBU-Generalsekretär Alexander Bonde durch den Klimawandel vor einer großen Herausforderung: „Architektur, Aufbau und Materialien sind in den Städten oft nicht für steigende Temperaturen ausgelegt. Städte heizen sich in Hitzeperioden zunehmend auf und werden zur Gefahr für die Menschen – besonders Senioren, chronisch Kranke, Kinder und alle, die im Freien arbeiten.“
Bonde: Lösungen für Abkühlung im Alltag
Bonde weiter: „Klimaanpassung im urbanen Raum ist ein wichtiges Thema. Deshalb fördert die DBU Quartierskonzepte, die Städte zukunftsfähig machen. Wir brauchen Lösungen für Abkühlung im Alltag.“ Besonders Altstädte heizen sich aufgrund ihrer oftmals engen Bauweise und versiegelter Flächen auf. Forschende des Bundesverbands Gebäudegrün entwickeln derzeit Methoden zur Begrünung von Altstädten, damit historisch wertvolle Bauwerke zum kühlen Zufluchtsort werden und Hitzefolgen sich in Grenzen halten. Projektleiterin Rebecca Landwehr: „Die Bepflanzung von Fassaden und Dächern kühlt Gebäude und Straßen messbar.“
Schutz vor Hitze und Starkregen
Die häufig geäußerte Sorge, eine Begrünung könnte die bauliche Integrität historisch wertvoller Gebäude beeinträchtigen, sieht Landwehr differenzierter: „Bei denkmalgeschützten Gebäuden muss die Eignung einer Begrünung immer individuell geprüft werden. Es gibt jedoch zahlreiche erprobte Begrünungssysteme und Pflanzenarten, die die Bausubstanz nicht beeinträchtigen. Sie schützen im Gegenteil vor Sonneneinstrahlung und Witterung“, so die Projektleiterin. Ebenfalls verringere eine Bepflanzung die Auswirkungen von Starkregen – auch eine zunehmende Folge der Klimakrise. Der Bundesverband Gebäudegrün ist nun dabei, einen Leitfaden für die stärkere Begrünung von Altstädten zu erstellen.
Historisch belegte Fälle von Stadtbegrünung
In enger Zusammenarbeit mit dem BuGG arbeitet ein ebenfalls DBU-gefördertes Projekt der Universität Bayreuth unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Sass an optimalen Methoden zur Begrünung von historischen Bauten. „Alte Städte sind oft über Jahrhunderte aus unterschiedlichen Materialien erbaut worden. Für verschiedene Varianten stellen wir deshalb die besten Begrünungslösungen zusammen“, so Sass. Dabei würden besonders Befestigung, Pflanzenarten und optimaler Hitzeschutz der Bausubstanz untersucht. Die Ergebnisse fließen in den BuGG-Leitfaden ein. Sass gehört zum Denkmalpflegebeirat, der den BuGG beim Vorhaben unterstützt. Landwehr erläutert:
„Für den Leitfaden sammeln wir historisch belegte Fälle von Stadtbegrünungen – wirksame Maßnahmen sowohl zum Schutz vor Extremhitze als auch von traditioneller Architektur.“ Historische Bauten würden zu schattigen Rückzugsorten. „Ein Effekt, wie wir ihn bei Kirchen kennen, die wegen massiver Bauweise selbst im Sommer kühl bleiben“, so Landwehr.
Leitfaden ebenfalls relevant für neue Gebäude
Nach Landwehrs Worten soll das Projekt dazu beitragen, die zuständigen Landesämter für Denkmalpflege einzubinden und zur Gebäudebegrünung weiterzubilden. „Denn grüne Dächer und Fassaden in Altstädten wirken sich günstig aufs Stadtklima aus – mit positiven Folgen für die Menschen“, betont die Projektleiterin. Die Biodiversität profitiere ebenfalls. Mehr Gebäudegrün biete Insekten Nahrung und Lebensraum. Die im Leitfaden festgehaltenen Ergebnisse seien auf Altstädte in ganz Europa anwendbar und lieferten zudem Erkenntnisse über die Begrünung von Neubauten, so Landwehr.
Brückenprojekt zwischen Denkmalschutz und Begrünungsbranche
DBU-Referentin Constanze Fuhrmann sieht im Vorhaben eine große Chance: „Es gibt bis heute keine fundierten, praxisorientierten Leitlinien für den Umgang mit Dach- und Fassadenbegrünung an historischen Gebäuden. Das kann sich nun ändern.“ Die Zusammenarbeit zwischen Denkmalschutz und Begrünungsbranche zeige, „dass der Erhalt historisch wertvoller Bauwerke und die Anpassung von Städten und Siedlungen an Klimaveränderungen sich keineswegs ausschließen, sondern gemeinsam funktionieren können“.
Fuhrmann weiter: „Das Projekt schlägt damit eine Brücke zwischen Denkmalschutz und Begrünungsbranche und zeigt, wie naturbasierte Lösungen denkmalgerecht umgesetzt werden können – praxisnah, innovativ und im Dialog aller Beteiligten.“
