Bestandsaufnahmen zum Zustand der Weltmeere

Dr. Katrin Kleemann vor dem Pazifik in Kalifornien. Quelle: Katrin Kleemann Copyright: Katrin Kleemann

Der diesjährige Weltozeantag am 8. Juni war für die Umwelthistorikerin Dr. Katrin Kleemann ein besonderer Anlass: Erstmals erscheint ihr Name als Co-Autorin in einem World Ocean Assessment Report der Vereinten Nationen. Die Veröffentlichung gilt als eine der wichtigsten internationalen Bestandsaufnahmen zum Zustand der Weltmeere.

Insgesamt haben 580 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 86 Ländern an dem dritten World Ocean Assessment-Bericht mitgewirkt, darunter 284 Frauen. Gemeinsam analysierten sie die aktuelle Situation der Ozeane und bewerteten die Entwicklungen seit dem zweiten World Ocean Assessment Report aus dem Jahr 2021.

„Ich bin schon ein bisschen stolz, für eine so wichtige Reihe meinen wissenschaftlichen Beitrag leisten zu können“, sagt Kleemann. Die Historikerin forscht am DSM zur Geschichte der Deutschen Seewarte. In ihrer Promotion beschäftigte sie sich mit den Auswirkungen von Vulkanausbrüchen auf Umwelt und Klima.

Über viele Monate hinweg arbeitete Kleemann an ihrem Beitrag und stimmte ihn gemeinsam mit internationalen Fachkolleginnen und -kollegen ab. Pünktlich zum Weltozeantag, am 8. Juni, wurde der Bericht veröffentlicht, der zuvor von 190 Nationen geprüft und verabschiedet worden war.

Der Bericht beschreibt den Ozean als ein einziges, komplexes und vernetztes System – das „Lebenserhaltungssystem“ des Planeten. Biologische, physikalische und chemische Prozesse greifen dort ineinander und stehen in enger Wechselwirkung mit der Atmosphäre. Der Ozean beherbergt Millionen von Arten, von denen viele bislang unbekannt sind.

Gleichzeitig macht die Publikation deutlich, dass die Bewältigung der vom Menschen verursachten Belastungen für die Meere entscheidend für den Erhalt des Lebens auf der Erde ist. Trotz wichtiger Fortschritte bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen. Langfristige Nachhaltigkeit erfordert daher kontinuierliche Anstrengungen und weitere Verbesserungen.

Für Kleemann war insbesondere die internationale Zusammenarbeit bereichernd. „Für mich persönlich war es besonders spannend, den aktuellen Stand der Forschung zu den unterschiedlichen Regionen zusammenzufassen. Aufgrund der vorgegebenen Textlängen musste dies in aller Kürze geschehen, was durchaus eine Herausforderung war“, erklärt sie.

Besonders wertvoll sei die interdisziplinäre Perspektive gewesen: „Als Historikerin Teil eines solchen internationalen und interdisziplinären Schreibteams zu sein, war eine tolle Erfahrung. In dem Kapitel geht es primär darum, den wissenschaftlichen Stand der Forschung seit der Veröffentlichung des zweiten World Ocean Assessment Reports abzubilden. Dazu gehören auch geschichtswissenschaftliche Arbeiten zur Ozeangeschichte, die in den vergangenen fünf Jahren erschienen sind. Es hat mich sehr gefreut, auch die Arbeiten einiger Historikerinnen und Historiker, etwa zum Südlichen Ozean, in den Bericht einbringen zu können.“