Strategien für Hitzesommer am Beispiel Stuttgart

Überflutete Unterführung in Stuttgart-Zuffenhausen Foto: Stadt Stuttgart

Sommerlicher Hitzestress sowie vermehrt auftretende Starkregenereignisse sind in der Region Stuttgart bereits heute Realität und werden im Zuge des Klimawandels künftig noch zunehmen. Ein neues Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Jörn Birkmann an der Universität Stuttgart soll Wege aufzeigen, wie Stadt und Region sich auf solche Ereignisse strategisch einstellen können. Der Startschuss fiel am 17. August 2020.

Prof. Birkmann Foto: Uni Stuttgart

Die Hitzewelle in den vergangenen Wochen mit deutschlandweiten Höchsttemperaturen von über 38 Grad auch in der Region Stuttgart und die Starkniederschläge in der gleichen Zeit zeigen, dass die Anpassung an den Klimawandel auch für die Funktionsfähigkeit von Städten immer wichtiger wird. Allein im Sommer 2019 sind nach Angaben des Statistischen Landesamts in Baden-Württemberg knapp 1700 Menschen aufgrund hoher Temperaturen verstorben. Für den Erhalt der Wohn- und Lebensqualität sowie für die Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der Region Stuttgart als polyzentrischem, hochverdichtetem Raum mit starkem Wirtschaftswachstum ist die Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels daher eine zentrale Voraussetzung. Um dies leisten zu können, benötigen die Akteure – insbesondere in der Stadt- und Regionalentwicklung – Informationen, wie sich Klimaänderungen lokal auswirken, welche längerfristigen Folgen damit verbunden sind und welche Handlungsoptionen zur Anpassung bestehen.

Anpassungs-Check für Stadt und Region

Vor diesem Hintergrund wird das Verbundprojekt ISAP („Integrative stadt-regionale Anpassungsstrategien in einer polyzentrischen Wachstumsregion“) in den nächsten drei Jahren unter anderem einen quantitativen Anpassungs-Check entwickeln, der auch die Synergien zwischen Städten und ihrem Umland besonders berücksichtigt. Dazu entwickelt ISAP gemeinsam mit dem Verband Region Stuttgart und der Landeshauptstadt Stuttgart ein neues, innovatives stadt-regionales Online-Informations- und Beratungssystem, das stadtregionale Informations- und Analyseinstrumente wie Klimadaten, Szenarien zum Klima- und Landnutzungswandel sowie zur gesellschaftlichen Vulnerabilität umfasst. Diese Informationen ermöglichen es, notwendige Anpassungen zu identifizieren und zu konkretisieren. Zudem wird eine Starkregenrisikokarte für Stadt und Region entwickelt.

„Dem Hitzestress wird man nicht nur mit Klimaanlagen begegnen können“

„Bereits heute sind Hitzestress, Starkniederschläge und Trockenheit in der Region Stuttgart erfahrbar. Wir müssen uns daher auf diese Phänomene stärker einstellen und entsprechende Vorsorgestrategien für Stadt und Region planen und entwickeln, betont Projektleiter Prof. Jörn Birkmann. „Dem Hitzestress wird man nicht nur mit Klimaanlagen für Innenräume begegnen können, da sie wieder mehr Energie verbrauchen. Auch für die Vorsorge gegenüber Starkregen braucht man Informationen über Starkregengefahren und die Anfälligkeit von Bewohnern und Infrastrukturen.“

Die Herausforderungen in Stuttgart sind besonders hoch

„Die Stadt Stuttgart hat schon seit langem eine Klimaabteilung, da die Herausforderungen in Stuttgart besonders hoch sind. Wichtige Ansätze wurden schon entwickelt, das ISAP-Projekt bietet aber auch neue Ansätze für die quantitative Bewertung von Anpassungsmaßnahmen und die bessere Abstimmung zwischen kommunalen und regionalen Ansätzen. Für uns bietet die Mitwirkung an diesem Projekt neben zusätzlicher Expertise noch den Vorteil, dass das BMBF direkt auch Personalmittel für die Praxis mit bereitstellt“, ergänzt Rainer Kapp, Leiter der Abteilung Stadtklimatologie des Umweltamts der Landeshauptstadt Stuttgart.

Gewitterwolken über dem Stuttgarter Talkessel Foto: Hemmberger

Thomas Kiwitt, Leitender Technischer Direktor beim Verband Region Stuttgart, unterstreicht die zentrale Beratungsfunktion seines Verbands für die Kommunen der Region. „Bereits der vergangene Klimaatlas war als Planungs- und Entscheidungsgrundlage sehr hilfreich. Im ISAP-Projekt möchten wir nun das Angebot aktualisieren, erweitern und auch konsequent digitalisieren. Die wichtige Beratung der Gemeinden soll damit weiter gestärkt werden.“

Durch einen intensiven Austausch auf nationaler und internationaler Ebene wird sichergestellt, dass die Ergebnisse nicht nur für die Region Stuttgart, sondern auch für andere Regionen nutzbar sind.