Die HAW Kiel untersucht 250 CO2e-Fußabdrücke von Milchviehbetrieben in Schleswig-Holstein und zeigt: Bis zu 15 Prozent Emissionsminderung sind möglich – die Hälfte der untersuchten Maßnahmen kann Kosten sparen. Die Ergebnisse des von der Gesellschaft für Energie- und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EKSH) geförderten Projekts werden beim Osterrönfelder Agrarforum Spezial präsentiert.
Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit müssen in der Milchviehhaltung kein Widerspruch sein. Das zeigt das zweijährige Praxisprojekt „Inwertsetzung von CO2e-Reduzierungen in der Milchwirtschaft“ des Fachbereichs Agrarwirtschaft der HAW Kiel. Für die Untersuchung hat das Team um Projektleiter Prof. Holger Thiele insgesamt 250 CO2e-Fußabdrücke von schleswig-holsteinischen Milchviehbetrieben betrachtet. In Modellberechnungen wurden verschiedene Maßnahmen untersucht und ökonomisch bewertet.
Weniger CO2, mehr Wirtschaftlichkeit
Dazu zählen unter anderem Verbesserungen beim Fütterungsmanagement und bei der Futterqualität, eine längere Nutzungsdauer der Tiere, Wirtschaftsdüngermanagement, Futterzusatzstoffe und der Einsatz von Ökostrom. Das Ergebnis ist für die Praxis besonders relevant: Durch geeignete Minderungsstrategien lässt sich der CO2e-Ausstoß kalkulatorisch um bis zu 15 Prozent je Kilogramm Milch reduzieren. Gleichzeitig führt rund die Hälfte der untersuchten Maßnahmen zu Kosteneinsparungen.
„Die große Spannbreite der CO2e-Fußabdrücke zeigt, dass es individuelle Minderungsstrategien für die einzelnen Betriebe braucht. Mit der Ergebnispräsentation tragen wir die Erkenntnisse nun direkt in die Praxis, um Klimaschutz in der Milchwirtschaft Schritt für Schritt stärker zu verankern“, so Prof. Holger Thiele.
Klimaschutzpotenziale in der Milchviehhaltung
Klimaschutz kann sich für Milchviehbetriebe damit unter bestimmten Bedingungen auch wirtschaftlich lohnen. Warum werden solche Maßnahmen dennoch nicht automatisch umgesetzt? Das Projekt hat neben den technischen und ökonomischen Möglichkeiten auch mögliche Hemmnisse betrachtet. Dazu zählen unter anderem wirtschaftlicher Druck, Beratungsbedarf, Risikoscheu und fehlende Vergleichsmöglichkeiten. Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts war die Frage, wie die von Betrieben erbrachten CO2e-Minderungen künftig in Wert gesetzt und innerhalb der Milchwirtschaft honoriert werden können.
„Klimaschutz in der Landwirtschaft endet nicht bei der Erzeugung erneuerbarer Energien. Gerade in der Milchwirtschaft gibt es weitere Potenziale, Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig wirtschaftliche Chancen für die Betriebe zu schaffen“, sagt Dr. Thies Popp von der Gesellschaft für Energie und Klimaschutz (EKSH), die das Projekt finanziert hat.
