Neue Methode zur Anpflanzung von Seegraswiesen

Seegras stabilisiert Küstenlinien, bindet Kohlendioxid schützt Biodiversität und Wasserqualität. Natürliche Bestände der Pflanze sind aber gefährdet. Ein Förderprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) erprobt die innovative Wiederansiedlung. Copyright: James Shooter

Seegras hat großes Potenzial im Hinblick auf Küsten- und Klimaschutz sowie für den Erhalt der Biodiversität. Die natürlichen Bestände an der Ostseeküste sind aber bedroht, die Wiederanpflanzung ist aufwendig. Der Verein „Rewilding Oder Delta“ will das ändern. In einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekt wird aktuell vor Usedom eine innovative Methode zur Wiederansiedlung der Pflanze erprobt.

Bereits die Anfänge der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) vor nunmehr 35 Jahren sind eng mit Projektförderungen in den ostdeutschen, damals „neuen“ Bundesländern verbunden – für mehr Klima- und Umweltschutz im Einsatz gegen den menschengemachten Klimawandel. In lockerer Reihenfolge stellt die DBU verschiedene wegweisende von ihr geförderte Vorhaben in den fünf Bundesländern vor. Heute geht es um ein Projekt in Mecklenburg-Vorpommern: An der Ostseeküste vor Usedom plant der Verein „Rewilding Oder Delta“ die Anpflanzung von Seegraswiesen. Seegras hat großes Potenzial im Hinblick auf Küsten- und Klimaschutz sowie für den Erhalt der Biodiversität. Dank einer innovativen Methode sollen die Pflanzen ihre Potenziale bald großflächig entfalten können.

Seegraswiesen für die Ostsee

Die flachen Küstenmeergebiete der Ostsee bieten ideale Bedingungen für Seegras. Kein Wunder also, dass die Wasserpflanze dort weit verbreitet ist. Allerdings gefährden Nährstoffeinträge, der Klimawandel und menschliche Eingriffe die Bestände zusehends. Der in Mecklenburg-Vorpommern ansässige Verein „Rewilding Oder Delta“ (Deutsch: Wildnisrenaturierung des Oderdeltas) strebt eine Wiederanpflanzung von Seegraswiesen an. Sie fungieren als Lebens- und Rückzugsraum für bedrohte Arten und beugen der Erosion in Küstenbereichen vor. Zudem bindet Seegras große Mengen an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) und filtert Schad- und Nährstoffe aus dem Wasser.

DBU-Serie zu Projekten in ostdeutschen Bundesländern

„Die Pflanze bietet Lösungspotenziale für Probleme, mit denen Umwelt, Meer und insbesondere Ufergebiete konfrontiert sind“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Großflächige Wiederansiedlungen von Seegras könnten ein „echter Hebel“ sein, um im Küstenmeer eine intakte Natur und damit die Grundlage für eine funktionierende Küstenwirtschaft zu erhalten. Mit rund 175.000 Euro fördert die DBU seit dem Sommer 2026 daher ein Projekt, in dem „Rewilding Oder Delta“ eine neue Methode zur Anpflanzung von Seegraswiesen erprobt.

Diese ist bislang sehr arbeitsintensiv: Taucher müssen einzelne Pflanzen händisch im Meeresboden ausbringen. Der Verein will diesen Aufwand reduzieren. Dazu nutzt er sogenannte biologisch abbaubare Aufwuchsträger, die das Unternehmen ZosteraTec auf Basis von angespülten Seegrashalmen fertigt. Die schlauchförmigen Träger enthalten feuchten Sand, der dem angepflanzten Seegras als Substrat dient. Zugleich soll er den Trägern ausreichend Gewicht geben, damit sie trotz Strömungen und Wellengang in Position bleiben und das Seegras seine Wurzeln in den Meeresboden schlagen kann. Die Träger zerfallen wenige Wochen nach dem Ausbringen dann rückstandslos.

„Hoher Nutzen für maritime Lebensräume“

Unter geschützten Bedingungen habe sich die Ansiedlung mittels der Träger bereits als erfolgreich erwiesen, sagt der bei „Rewilding Oder Delta“ zuständige Fachreferent Ringo Behn. In der südlichen Ostsee, zwischen den Inseln Rügen und Usedom, erprobt der Verein die Methode nun in wellenexponierter Lage. Dafür haben Fachleute zunächst geeignete Habitate definiert, die eine erfolgreiche Ansiedlung erwarten lassen. Der Verein kartierte anschließend drei geeignete Flächen von je rund 20 Quadratmetern für Testpflanzungen. Zwei sind mittlerweile bepflanzt, die dritte folgt in wenigen Wochen.

„Danach werden wir auswerten, ob und in welchem Ausmaß die ausgebrachten Pflanzen sich im Boden verankern konnten“, sagt Behn. Ein positives Resultat unterstreiche das Potenzial der Methode: „Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten können wir schon jetzt festhalten, dass wir deutlich weniger Taucherstunden brauchen als bei bisherigen Anpflanzmethoden.“ DBU-Fachreferentin Stefanie Moorthi erwartet Ergebnisse, „die einen wichtigen Beitrag zum Schutz maritimer Lebensräume leisten können“. Die Anpflanzung von Seegraswiesen auf dem Trägersystem verspreche mehr Effizienz und eine gute Skalierbarkeit. Weil das Projekt des Vereins wissenschaftlich begleitet wird, seien die Ergebnisse zudem auch für andere Akteure im Meeresnaturschutz nutzbar.

„Der innovative Ansatz könnte die großflächige Wiederansiedlung von Seegras deutlich erleichtern und so dazu beitragen, wichtige ökologische Funktionen mariner Lebensräume wiederherzustellen und langfristig zu sichern. Damit erfüllt das Projekt Anforderungen eines noch relativ jungen Förderthemas der DBU: Zum Jahr 2025 setzte die Stiftung den Meeresnaturschutzfonds auf. Möglich machte das eine Zustiftung des damaligen Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.

Stiftungstochter unterhält tausende Hektar Naturerbefläche

Neben der DBU-Projektförderung profitiert Mecklenburg-Vorpommern von der Arbeit des DBU Naturerbes, einer gemeinnützigen Stiftungstochter. Sie kümmert sich in diesem Bundesland um neun Flächen des Nationalen Naturerbes mit insgesamt rund 18.800 Hektar, darunter etwa Prora auf der Insel Rügen, Peenemünde auf Usedom sowie die Ueckermünder Heide am Stettiner Haff. Die Ziele: Wiesen, Heiden und andere offene Lebensräume durch Pflege bewahren, strukturarme Forste zu naturnahen Wäldern umwandeln und der natürlichen Entwicklung überlassen sowie Feuchtgebiete und Gewässer erhalten und ökologisch aufwerten.